Biedermann und Brandstifter – Die Studiobühne zu Gast im Kunstpalais

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Biedermann hat sich in seinem Leben nichts vorzuwerfen, das zumindest denkt er. “Ein Lehrstück ohne Lehre” war der Untertitel den Max Frisch seinem Stück gab.

Biedermann scheint zu wissen, was  er sich da in sein Haus holt und tut es trotzdem, fast schon aus Trotz gegen seinem Instinkt oder der Panikmache von außen. Er wiegt sich in der Sicherheit, dass bei ihm zu Hause, mit seiner Art zu leben ihm nichts Böses passieren kann. Ist Biedermann naiv oder einfach nur arrogant?

“Der, um zu wissen, was droht, Zeitungen liest, täglich zum Frühstück entrüstet über ein fernes Ereignis, täglich beliefert mit Deutung, die ihm das eigene Sinnen erspart, täglich erfahrend, was gestern geschah, schwerlich durchschaut er, was eben geschieht unter dem eigenem Dach.”

Regie: Mirjam Novak

Darsteller: Timo Sestu, Kristin Werner, Patrick Vogel, Martin Seeburg, Sylvia Krüger, Karina Hille, Tetyana Tryhub, Kathrin Ledina, Thomas Jakob, Nadine Raddatz, Laura Kotzur und Matthias Zollitsch

11.04. um 20 Uhr; 12./13./27.04. um 18:30 im Kunstpalais
Eintritt 8 € regulär/6 € ermäßigt – zur Kartenreservierung

Keine Zeit zum Ausruhen…

In den vergangenen zwei Monaten konnte man bei uns im Kunstpalais in der Ausstellung Radical Beauty die radikale Schönheit von Almut Lindes Werken bewundern. Wie das Presseecho zeigt, war die Ausstellung ein voller Erfolg. Sogar die Süddeutsche Zeitung berichtete mit einer umfangreichen Fotostrecke darüber.

Kunstpalais Erlangen Ausstellung

Eines der Highlights im Begleitprogramm zur Ausstellung war das Künstlergespräch mit Almut Linde, bei dem man die Möglichkeit hatte einen Einblick rund um ihre Arbeit und die Hintergründe ihrer Kunst zu gewinnen. Im Rahmen unserer Workshop-Reihe konnte man außerdem sein Körperbewusstsein unter Beweis stellen und – von Almut Lindes Fotografien inspiriert – eigene One-minute-sculptures erschaffen. Im Fotografieworkshop ganz schön hässlich entstanden, im wahrsten Sinne des Wortes, schrecklich schöne Bilder und beim Malen unter dem Motto Another beauty konnte man eigene Kunstwerke mit nicht ganz so alltäglichen Mitteln wie Roter Bete oder Tintenfischtinte kreieren. Bei so viel Action verging die Zeit wie im Flug. Letzte Woche ging die Ausstellung zu Ende.

Im Künstlergespräch mit Almut Linde

Im Künstlergespräch mit Almut Linde

Doch zum Verschnaufen bleibt keine Zeit, denn es geht turbulent weiter. Die Vorbereitungen für die Ausstellung Affekte laufen schon seit Monaten auf Hochtouren. Am 3.4. ist es dann endlich soweit und der Startschuss für Affekte fällt. In der Ausstellung setzen sich 11 Künstler aus 7 verschiedenen Ländern mit der Darstellung von Affekten in zeitgenössischer Kunst auseinander. So viel kann verraten werden: Es wird schrill, bunt, laut und actionreich.

Key Visual_Affekte

Im Rahmen der Ausstellung haben wir natürlich ein genauso buntes und breitgefächertes Begleitprogramm parat. Da ist für jeden Geschmack was dabei. Langweilig wird es also garantiert nicht.

Die besonders Wissbegierigen unter euch dürfen sich unsere wissenschaftliche Vortragsreihe keinesfalls entgehen lassen. Jede Woche werden wir renommierte Akademiker aus ganz Deutschland zu Gast haben, die das Thema Affekte aus den unterschiedlichsten Perspektiven beleuchten. Und das Ganze ist auch noch kostenlos.

Auch für Film- und Theaterfreunde gibt es viel zu sehen. Bei Aufführungen des Stückes Biedermann und die Brandstifter von der Studiobühne Erlangen, Filmvorführungen von Mandela – Der lange Weg zur Freiheit im E-Werk Kino oder dem Filmabend I know you well. Well enough to fear you kommt sicher jeder auf seine Kosten. Wer lieber was fürs Ohr möchte, sollte unsere Konzert- und Musikabende nicht verpassen.

Eines der vielen Highlights unseres Programms zu Affekte wird sicher der Palais Slam, der erste Poetry Slam hier im Kunstpalais. Neben der vollen Ladung geballter Poesie gibt’s dazu noch Live-Musik der Hip-Hop Band Mihalys Theorie.

Zum Schluss noch ein besonderer Tipp: Den Internationalen Museumstag am 18. Mai werden wir hier im Kunstpalais auch gebührend feiern. Und zwar mit vielen interessanten Aktionen und Events, die den ganzen Tag über stattfinden werden.

Ihr seht, wir haben viel vor, aber das war noch längst nicht alles :) Neugierig? Dann holt euch weitere Infos hier oder kommt vorbei und schaut es euch selbst an!

Wir freuen uns auf euch!

Jugendliche auf der Suche nach “Radikaler Schönheit” in Erlangen: Ein Fotografieworkshop im Kunstpalais

MuelleimerEine Gruppe von Jugendlichen der Jakob-Herz-Schule, Staatliche Schule für Kranke war über mehrere Wochen zu Besuch im Kunstpalais. Nachdem sich die Schülerinnen und Schüler unter der Leitung von Kunstvermittler Benjamin Zimmermann intensiv mit Almut Lindes Ausstellung „Radical Beauty“ beschäftigt hatten, gingen sie im praktischen Teil selbst auf die Suche nach „Radikaler Schönheit“ im Erlanger Stadtraum.

Beim ersten Treffen gab es einen Fotografieworkshop unter dem Titel „Ganz schön hässlich“. In Kleingruppen erforschten die Jugendlichen mit Kameras die nähere Umgebung des Kunstpalais und fotografierten Mülltonnen, Schlammpfützen, Baustellen und verschmutzte Stromkästen. Dabei versuchten sie diesen „hässlichen“ Motiven etwas Schönes abzugewinnen und haben so  kuriose Szenerien wie einen umgeworfenen Verkehrskegel oder ein eigenartiges Objekt neben einer Mülltonne entdeckt.

Kegel

Beim zweiten Workshop standen Installationen der Künstlerin im Vordergrund. Ausgehend von Almut Lindes Rechtecken aus Kohle und Blaukorn und ihrem Konzept des “Dirty Minimal” beschäftigten sich die Jugendlichen mit Land-Art-Künstlern wie Richard Long, lernten aber auch Arbeiten von Street-Art-Künstlern kennen. Anschließend entwickelten die Schülerinnen und Schüler eigene Konzepte für Arbeiten im Stadtraum. Mit einfachen Materialien setzten sie ihre Ideen in Kleingruppen um und fotografierten sie:

FighterFischPflanze

Almut Lindes Video-Arbeiten waren das Thema des letzten Workshops. Ähnlich wie in ihrem einminütigen Film „Stillness“ sollten die Jugendlichen kurze Videos erstellen, die sich auch als Endlosschleife präsentieren lassen. Auch hier ging es wieder um den Begriff Schönheit, in diesem Fall jedoch um Schönheit im Verborgenen. Dabei filmten sie im Wind wehende Federn, das Schattenspiel eines Baums, eine Rolltreppe im Kaufhaus und ein zitterndes Absperrband.

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Ein spannendes Projekt mit tollen Ergebnissen. Das Team des Kunstpalais gratuliert zu den im Workshop entstandenen Arbeiten!

One Minute Sculpture – Mein Körper als Kunstwerk

OneMinuteSculpture4Künstlerisch tätig werden ganz ohne Pinsel, Baumaterial oder andere Hilfsmittel?

Almut Linde schafft mit ihren beeindruckenden Aufnahmen von Artisten „radikal schöne“ Verbindungen von Statik und Lebendigkeit, die sie im Moment vermeintlicher Perfektion auf großformatigen Fotos festhält. Doch auch wir müssen keine ausgebildeten Spitzensportler sein, um ähnliche Ideen umzusetzen, sondern nur die Grenzen unseres Bewegungsspielraums ausloten.

DaOneMinuteSculpture3s bewiesen auch sechs Grundschüler und -schülerinnen der Jakob-Herz-Schule, Staatliche Schule für Kranke, in einem zweistündigen Workshop unter der Leitung von Anne Stabe. Nachdem wir uns vom „Scheitel bis zur Sohle“ aufgewärmt, gebogen, gestreckt und verdreht hatten, verformten wir uns gegenseitig wie Marionetten oder schlossen uns zu großen Gruppenbildern zusammen. Mit vielen Ideen im Kopf ging es wieder zurück in den Ausstellungsraum, wo die Körperskulpturen perfektioniert, in Stellung gebracht und im Moment höchster Vollendung mit Kameras festgehalten wurden. Hier schlug die Kreativität auch schon mal Purzelbäume (im wahrsten Sinne des Wortes), stellte sich die Welt auf den Kopf oder drehte sich um 180° – und Körper wurden zu faszinierenden Kunstwerken.

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Zündstoffe #3: Eine andere Welt

Auf unserem Blog zu Gast: Studentinnen des Instituts für Kunstgeschichte von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg schreiben über die Ausstellung “Almut Linde: Radical Beauty”.

Ich betrete den letzten Raum der Ausstellung.
Weiß. Wie alle anderen Räume. Aber fast leer.
Aus zwei Lautsprechern höre ich ein Kind singen.
In einer fremden Sprache. Es klingt eigentlich ganz fröhlich.
Doch ich höre genauer hin. Bin neugierig.
Was genau singt wohl dieses Mädchen? Was passiert mit ihr? Was passiert hier?

Und dann, dann erfahre ich durch die Beschriftung an der Wand, dass diese Stimme einem neunjährigen Mädchen gehört, das an der deutsch-tschechischen Grenze als Prostituierte arbeiten muss. Es singt tschechische Kinderlieder.
Kinderlieder. Eine heile, glückliche Kinderwelt. Für das junge Mädchen unerreichbar. Eine andere Welt.

Einfach weitergehen kann ich nicht. Der Rundgang ist zu Ende. Nur umkehren, das ginge. Aber kann ich einfach umkehren, wegschauen, so tun, als wäre nichts gewesen? Ja, ich kann es. Dieses Mädchen aber nicht.
Wenn ich den Raum verlasse, vergesse ich dann auch, dass das Schicksal dieses Mädchens kein Einzelfall ist? Dass es traurige, schreckliche Realität ist? Ich erschrecke, schäme mich und bin schockiert. Es ist eine andere Welt. Und jeder weiß, dass es sie gibt.

Ein weiteres Mädchen, kaum älter, wurde an einen ihr fremden Ort gebracht und muss dort nun ebenfalls als Kinderprostituierte arbeiten. Sie schrieb einen ergreifenden Brief an eine Sozialarbeiterin. Eine Fotografie der Rückseite dieses Briefes und der übersetzte Text in Abschrift hängen an einer Wand. Bunt, lachend, lustig – die Collage aus Joghurtdeckeln und Verpackungen von Süßigkeiten auf der Briefrückseite zeugen von der Sehnsucht nach einer anderen Welt – einer fröhlichen, normalen Kinderwelt.

Kunstpalais Erlangen Ausstellung

Dirty Minimal #45.1.1 und #45.1.2 – Eine andere Welt / Another World, Soundinstallation und Fotografie und Text, 2008/2009, Fotograf: Erich Malter

Über die Grenzgänger verfasste Axel Reitel ein hörenswertes Radiofeature, produziert vom MDR 2004. Es handelt von Sozialarbeitern des Vereins Karo e.V., die lebensgefährliche Arbeit in einer grenzüberschreitenden Welt von Zwangsprostitution und Menschenhandel leisten. Almut Linde begleitete sie 2008/2009 und musste selbst erfahren, wie Kinder in Autos mit deutschen Kennzeichen stiegen, immer unter Beobachtung ihrer Zuhälter.

Autorin: Eva-Carina Lobmeier absolvierte 2013 ihren Bachelor der Kunstgeschichte an der Universität Regensburg. Derzeit studiert sie im Masterstudiengang Kunstgeschichte mit Schwerpunkt Museumsarbeit an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Zündstoffe #2: Colour Field Painting

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Almut Linde: Dirty Minimal #85.2 – Color Field Painting / 8 Liters of pig blood, Leinwand, Schweineblut, 2 tlg. , 190 x 900 cm, 2013
Ausstellungsansicht Kunstpalais Erlangen, Fotograf: Erich Malter

Auf unserem Blog zu Gast: Studentinnen des Instituts für Kunstgeschichte von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg schreiben über die Ausstellung “Almut Linde: Radical Beauty”.

Die beiden Leinwände sind eindrucksvoll. Die Farbe ist einheitlich, von einem rostigen Braun. Sie ist über die ganze Fläche, jedoch nicht gleichmäßig verteilt. Die gemaserte Struktur entstand scheinbar zufällig beim Auftrag, möglicherweise auch durch die besondere Konsistenz der Farbe. Die Oberfläche wirkt samtig.

Der erste Teil des Titels lautet Color Field Painting, auf Deutsch Farbfeldmalerei. Er bezieht sich auf eine Art der Malerei, die sich in den 1950er-Jahren in den USA herausgebildet hat. Die charakteristischen großen Formate, die homogene Farbigkeit und die Verwendung von ungewöhnlichen Farbauftrags-Techniken wie Schütten oder Sprühen, treffen auch auf Almut Lindes Werk zu. Im Kontext des Color Field Painting wird oft der Begriff des Erhabenen, im englischen sublime, verwendet. Damit wird etwas bezeichnet, das nicht nur schön, sondern unermesslich oder erschreckend, fast schon heilig wirkt, so wie Barnett Newmans Vir Heroicus Sublimis (1950/51).

Der zweite Teil des Titels 8 liters of pig blood lässt uns zurückweichen, erkennen wir doch in diesem Moment, dass die Künstlerin tatsächlich Schweineblut verwendet hat. Dies weckt Ekel in uns, aber auch eine gewisse Faszination. Millionen Tonnen Blut fallen jedes Jahr als Schlachtnebenprodukt an und müssten kostenintensiv entsorgt werden, weshalb so viel wie möglich davon weiterverarbeitet wird: als Bindemittel in der Fleischverarbeitung oder als Farbstoff in der Lebensmittelproduktion, für Tiernahrung oder als Klebstoff bei der Papierherstellung. Tierblut ist heute eines der größten Probleme der Nahrungsmittelindustrie.

Autorin: Corinna Klußmann studiert seit 2012 im Masterstudiengang Kunstgeschichte mit Schwerpunkt Bild- und Medienwissenschaften an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Zuvor absolvierte sie ebenfalls dort ihren Bachelor in den Fächern Theater- und Medienwissenschaft und Kunstgeschichte.

Zündstoffe #1: Eternal Now

Auf unserem Blog zu Gast: Studentinnen des Instituts für Kunstgeschichte von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg schreiben über die Ausstellung “Almut Linde: Radical Beauty”.

Der Zirkus ist kein unbekanntes Motiv in der Kunstgeschichte. Französische Impressionisten, wie Pierre-Auguste Renoir und Georges Seurat, aber auch Maler wie Max Beckmann und viele andere Künstler waren angetan von den künstlerischen Möglichkeiten, die ihnen diese phantastische Welt bot. In Seurats pointilistischer Interpretation des Themas etwa schwebt eine Artistin wie schwerelos auf dem durch die Manege galoppierenden Pferd während der Zirkusdirektor die Peitsche schwingt. Ein Clown zieht den Vorhang auf, das Publikum betrachtet das Geschehen von den Rängen aus.

Almut Lindes Fotografie Eternal Now führt ebenfalls eine unwirkliche Situation vor. Sie zeigt einen eingefrorenen Moment aus dem routinierten Bewegungsablauf zweier Zirkusartistinnen. Ungewöhnlich an der Aufnahme ist der Ort, an dem sich die beiden befinden. Ein mit monochromen Bildern bespielter, hell beleuchteter Ausstellungsraum eines Museums bildet den Hintergrund, vor dem die in ihrer Trainingskleidung beinahe deplatziert wirkenden Artistinnen ihre akrobatische Übung vorführen. Das Herauslösen des Zirkuspersonals aus seinem gewohnten Umfeld macht neben dem ästhetischen Erlebnis auch den sozialen Aspekt ihrer Arbeit deutlich.

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Almut Linde: Dirty Minimal #59.1 – Eternal Now (Sculpture/Entertainment), Light-Jet-Print, 156 x 206 cm, 2008/09

Das Museum, Ort des Geistigen und der Kontemplation, gilt als eine in der Hochkultur fest verankerte Institution. Der Zirkus hingegen reist durch das Land und bemüht sich dabei, Abend für Abend eine besondere Vorführung zu liefern. In der Regel findet er gesellschaftlich nicht die Anerkennung, die ihm mit seiner langen Tradition zustehen müsste. Die Bedingungen für Zirkusse sind heutzutage allgemein schwer. Besonders Familienbetriebe müssen um ihr Überleben kämpfen. Bereits im Jahr 2003 veröffentlichte die Generaldirektion Wissenschaft des Europäischen Parlaments zu diesem Thema eine Studie,  die sich u.a. mit der sozialen Absicherung und dem Schutz der Gesundheit von Zirkusmitgliedern befasst.

Autorin: Jannike Wiegand absolvierte ein Bachelor-Studium in den Fächern Kunstwissenschaft und Germanistik an der Universität Kassel. Seit 2013 studiert sie im Master-Studiengang Kunstgeschichte mit Schwerpunkt Museumsarbeit, an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Zündstoffe: Almut Lindes Werke im Diskurs

Motive, Formen oder auch Materialien sind durch die Arten ihres Gebrauchs mit Bedeutung aufgeladen. Nur so ist es beispielsweise erklärlich, dass der Anblick ästhetisch reizvoll im Raum schwebender Metallstangen unwillkürlich ein Gefühl der Beklemmung erzeugt, sobald diese als Komponenten zur Erzeugung von Kernkraft identifiziert werden. Daraus lässt sich aber auch ableiten, dass die Ausstellung „Radical Beauty“ mit Arbeiten Almut Lindes nicht schon für sich genommen Schlechtes oder Gutes zeigt, sondern das Gezeigte erst durch entsprechende Zuschreibungen eine solche Bewertung erfährt.

Kunstpalais Erlangen Ausstellung

Ausstellungsansicht “Almut Linde: Radical Beauty”

Kernkrafterzeugung oder Massentierhaltung sind den deutschen Bürgern weniger durch direkte eigene Erfahrungen als über den öffentlichen Diskurs bekannt. In einer Kooperation zwischen dem Institut für Kunstgeschichte der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  und dem Kunstpalais werden Master-Studentinnen im Rahmen einer Lehrveranstaltung unter der Leitung von Dr. Eva Wattolik kurze Beiträge zu einzelnen Werken Almut Lindes auf dem Blog veröffentlichen. Ziel ist es, diesen Diskurs durch Verweise etwa auf journalistische Berichterstattungen und kunsthistorische Traditionen freizulegen und aktiv weiterzuführen. Die Leser und Leserinnen sind dazu eingeladen, Kommentare und weitere Verweise zu ergänzen.

Radikale Schönheitsschau

Key Visual_Almut LindeWir starten das Jahr mit einer außergewöhnlichen Ausstellung der Hamburger Künstlerin Almut Linde. Die Einzelausstellung ist Teil einer Kooperation mit internationalen Museen, u.a. in Spanien und Großbritannien. In der umfangreichen Ausstellung mit Fotografien, Videoarbeiten und Rauminstallationen sind außerdem vier neue Werkgruppen zu sehen.

Almut Linde DM #34.1.1
Dirty Minimal #34.1.1, 2005
Lieblingsmilchproduktionseinheit/ Favorite Milk Production Units
4 Light-Jet Print, © the artist

Die Künstlerin begibt sich an Orte, die auf den ersten Blick nicht mit Kunst in Verbindung gebracht werden. Dazu gehören Bundeswehrkasernen und Schießplätze, ein spanischer Schlachthof, industrielle Betriebe und Grenzgebiete. Almut Lindes Beobachtungen sind schön und grausam zugleich. So schafft sie es wichtige Fragen in den Raum zu stellen – ohne voreilig zu werten oder Vorurteile zu bedienen. Ganz im Gegenteil: die Werke der Künstlerin überlassen dem Besucher selbst das Werten und Beurteilen.

Ganz neu im Kunstpalais

Zum ersten Mal stehen dem Besucher Audioguides zur Verfügung. iPod-touch-Loopausgeschnitten Lasst euch von den neuen Audioguides durch die Werkschau Almut Lindes führen und erfahrt mehr über ihre Ideen, ihre Herangehensweise und ihr Konzept des “Dirty Minimal”. Hört auch was die Direktorin und Kuratorin Claudia Emmert dazu bewegt hat die Künstlerin Almut Linde ins Kunstpalais einzuladen. Die iPodTouch als Audioguide wurden von FMS Computer Erlangen zur Verfügung gestellt und ermöglichen eine intermediale Auseinandersetzung mit den Werken der Ausstellung.

Außerdem gibt es Veranstaltungen, bei denen ihr euch weiteren Input holen, mitreden oder auch selbst künstlerisch tätig werden könnt. Erfahrt im Künstlergespräch mit Almut Linde mehr über ihr Konzept des „Dirty Minimal“ oder begleitet Claudia Emmert und die Kunsthistorikerin Eva Wattolik bei einer dialogischen Führung durch die Ausstellungsräume. Bei diesem Termin ist Mitreden angesagt. Wenn ihr selbst kreativ werden möchtet, macht bei einem der angebotenen Workshops mit. Zusammen mit unseren Kunstvermittlern könnt ihr bei dem Fotografieworkshop “Ganz schön hässlich” im Stadtbild von Erlangen die Schönheit im Hässlichen suchen oder inszenieren. Kinder können bei dem Malworkshop „Another Beauty“ mit ungewöhnlichen Materialien des Alltags – von roter Bete bis hin zu Tintenfischtinte – ein eigenes Gemälde schaffen.

Hier findet ihr weitere Workshops und das vollständige Begleitprogramm zu „Radical Beauty“ mit allen wichtigen Terminen, die ihr natürlich auf keinen Fall verpassen solltet.

Begleitprogramm

Director’s Cut: Claudia Emmert über die kommende Ausstellung von Almut Linde

Was bewegt Direktoren eine bestimmte Ausstellung bzw. einen Künstler zu zeigen? Die kunst:art startet mit “Nachgefragt…” eine neue Reihe, in der nicht Journalisten sondern die Kuratoren selbst Einblicke in kommende Ausstellungen geben. In bester Gesellschaft mit der Berlinischen Galerie und dem Städel Museum Frankfurt berichtet Kunstpalais-Leiterin Claudia Emmert in der aktuellen Ausgabe über unsere kommende Ausstellung “Almut Linde: Radical Beauty”. Zu sehen ist die Ausstellung ab dem 18.1.2014. Zur Eröffnung am Freitag, 17.1.2014, 19 Uhr laden wir euch herzlich ein!

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