Katalogkritik 2.0 reloaded

Letztes Jahr gab das Kunstpalais seinen Besuchern die Möglichkeit, eine Rezension zum Ausstellungskatalog  “iRonic. Die feinsinnige Ironie der Kunst” zu verfassen. Jetzt geht die Katalogkritik 2.0 in die zweite Runde! Diesmal wurde “Eckart Hahn: Der schwarze Duft der Schöhnheit”, dessen umfangreiche Einzelausstellung vom 16. September bis zum 13. November 2011 im Kunstpalais zu sehen war, genauestens unter die Lupe genommen und von Margaretha Kühneweg rezensiert:

Eckart Hahn: Der schwarze Duft der Schöhnheit

2011 ist ein gutes Jahr für Eckart Hahn, den in Reutlingen lebenden „Shootingstar der baden-württembergischen Szene“ (1). Das Kunstpalais Erlangen macht den Auftakt für das Ausstellungsprojekt Eckart Hahn. Der schwarze Duft der Schönheit. Hier bekommt der Künstler Gelegenheit, Gemälde zu zeigen, die teils durch skulpturale Objekten ergänzt werden. Im entsprechenden Raum kommen so auch große Installationen zur Geltung. Viele eigens für diesen Anlass geschaffene Arbeiten werden da in Bezug gesetzt zu früheren, die sich weltweit verstreut in Sammlungen befinden. Im Jahr 2012 zieht die Ausstellung weiter – in die kooperierenden Kunstmuseen Heidenheim bzw. Singen. Der schwarze Duft der Schönheit war Eckart Hahns bis dato größte Einzelausstellung und aus diesem Anlass hat die Leiterin des Kunstpalais Erlangen Claudia Emmert auch eine Publikation zusammen gestellt – vielleicht der eigentliche Gewinn für den Künstler. Denn das Format entspricht zwar einem klassischen Ausstellungskatalog und dennoch kann die Publikation mehr: Neben, erwartungsgemäß, zahlreichen ganzseitigen Fotografien von ausgestellten Werken, teils auch Erlanger Ausstellungsansichten, gibt es Hintergrundtexte aus kunstwissenschaftlicher sowie theologischer Perspektive. Diese Texte können helfen die – sich im ersten Zugriff einer leichten Lesart entziehenden – Werke einzuordnen. Insbesondere für diejenigen, die Eckart Hahns Arbeiten über diese Publikation zum ersten Mal kennenlernen, wird so eine Rezeption erleichtert.

Bereits der Beitrag der Herausgeberin lohnt die Lektüre. Die promovierte Kunstgeschichtlerin Claudia Emmert stellt Hahns Arbeiten, nicht überraschend, in den Kontext der Stilllebenmalerei des 17. Jahrhundert. Sie liefert eine fundierte Einführung in wesentliche Aspekte des Genres und zeigt Bezüge an zahlreichen Beispielen aus Hahns Werk auf. Außerdem führt Emmert den Vergleich von Hahns Bildern mit Tatort-Fotos an, die Zeugnis ablegen vom Verfall, der sich „auf explosive Weise Bahn gebrochen hat“ (2), und gleichzeitig eine tiefe Ruhe ausstrahlen. Schönheit ist in der Postmoderne eben immer auch von Zerstörung bedroht, zurück bleibt ein Gefühl der Leere. Darüber können auch das immer wiederkehrende christliche Motive, insbesondere das Symbol des Kreuzes nicht hinwegtäuschen: Die existenziellen Fragen sind auch heute noch aktuell, aber die Möglichkeit eindeutiger Antworten ist obsolet geworden.

Der zweite Text wurde ebenfalls von einem promovierten Kunsthistoriker verfasst. Marc Wellmann steht für eine externe Perspektive – außerhalb der herausgebenden Institution Kunstpalais Erlangen, die ja selbst maßgeblich das Konzept der Ausstellung Eckart Hahn. Der schwarze Duft der Schönheit geprägt hat. Sein Urteil, wenn auch knapp gehalten, fällt durchaus positiv aus, von „hoher handwerklicher Präzision“ (3) und „geradezu überbordender Fantasie“ (4) ist da die Rede. Beziehungen zum Realismus und zur Technik der Collage werden hergestellt, Eckart Hahn suche „im jeweiligen Medium eine möglichst ungehinderte Passage für seine Einfälle“ (5). Der Betrachter sei aufgefordert, sich die dargestellten Ambivalenzen zu vergegenwärtigen. Auch in diesem Beitrag wieder der Hinweis, dass Eckart Hahn „große Themen unserer Existenz“ (6) aufnehme.

Entsprechend sinnhaft erscheint auch der Gastbeitrag von Hans Jürgen Luibl, einem promovierten Erlanger Theologen. Allerdings bleibt die Qualität dieses Textes hinter den anderen beiden Beiträgen zurück. Es handelt sich eher um eine Ansammlung von Stichpunkten zu Fragen wie „Schwinden die religiösen Gewissheiten?“ (7) oder „Ist die Ästhetisierung der Ungewissheit zu wenig?“ (8). Vielleicht liegt es weniger daran, dass Luibl nicht aus einer kunsthistorischen Position kommt, sondern vielmehr an der theologischen Perspektive auf ein Werk, das von einem offenkundig stark säkularisierten, oftmals ironischen Umgang mit religiösen Symbolen geprägt ist? So wirkt dieser Text stellenweise wie der hartnäckige Versuch einer Andacht über einige von Eckart Hahns Arbeiten, die selbst hier noch die Spur des kirchlichen Gottes sucht: „Theologen jedenfalls wüssten davon zu berichten, dass dies der eigentliche Geburtsort des Glaubens ist: die Wüste, das Kreuz.“ (9) Vielleicht etwas zu gesucht?

Den stärksten Eindruck aber hinterlassen nicht die Texte, sondern Eckart Hahns Arbeiten, die durchgängig sehr präsent sind. Eine gut gemachter Katalog, dessen Layout den glatten, auf den ersten Blick gar oberflächlich erscheinenden Arbeiten, entspricht. Wer sich vom ersten Eindruck nicht abschrecken lässt, wird positiv überrascht – von der Tiefe der Inhalte, die in einer Spannung zu den scheinbar auf Glanz polierten Arbeiten stehen, wie von der Bandbreite der Interpretationsmöglichkeiten. Eckart Hahn. Der schwarze Duft der Schönheit ist eine Lektüre wert.

(1) Anlässlich des 60-jährigen Bestehens des Bundeslandes Baden-Württemberg im Jahr 2012 wurden Werke von 48 jungen, dort lebenden, KünstlerInnen durch das Land angekauft. Auch hier wurde Eckart Hahns Arbeit als „repräsentativ für den zeitgenössischen Kunstbetrieb“ ausgewählt und somit Teil einer Ausstellung, die „[...] diese Form der Kunstförderung dokumentiert und für die Bürger des Landes sichtbar [macht, MK], [damit, MK] das künstlerische Potential in Baden-Württemberg erkennbar und kontextualisiert wird [...]“. Kunstmuseum Singen: Veranstaltungen in Singen, Ausstellung Baden-Württemberg 60, http://www.insingen.de/index.php?m=eventsrguid=258C9FB3A81C35E1D5B10A6AA79397CA&d=633&selid=633&mid=614 [Stand: 13.01.2012 16:13].

(2) Claudia Emmert: Schöne unheile Welt. Das Stillleben als Tatort bei Eckart Hahn, in: Claudia Emmert, Kunstpalais Erlangen (Hrsg.): Eckart Hahn. Der schwarze Duft der Schönheit, Heidelberg : Kehrer, 2011, S. 12

(3) Marc Wellmann: Die Ambivalenz der Dinge, in: Claudia Emmert, Kunstpalais Erlangen (Hrsg.): Eckart Hahn. Der schwarze Duft der Schönheit, Heidelberg : Kehrer, 2011, S. 44.

(4) Marc Wellmann: Die Ambivalenz der Dinge, in: Claudia Emmert, Kunstpalais Erlangen (Hrsg.): Eckart Hahn. Der schwarze Duft der Schönheit, Heidelberg : Kehrer, 2011, S. 47.

(5) Marc Wellmann: Die Ambivalenz der Dinge, in: Claudia Emmert, Kunstpalais Erlangen (Hrsg.): Eckart Hahn. Der schwarze Duft der Schönheit, Heidelberg : Kehrer, 2011, S. 47.

(6) Marc Wellmann: Die Ambivalenz der Dinge, in: Claudia Emmert, Kunstpalais Erlangen (Hrsg.): Eckart Hahn. Der schwarze Duft der Schönheit, Heidelberg : Kehrer, 2011, S. 48.

(7) Hans Jürgen Luibl: Fragmente-Management. Gewissheit im Zerfall. Eine theologische Positionsbestimmung, in: Claudia Emmert, Kunstpalais Erlangen (Hrsg.): Eckart Hahn. Der schwarze Duft der Schönheit, Heidelberg : Kehrer, 2011, S. 80.

(8) Hans Jürgen Luibl: Fragmente-Management. Gewissheit im Zerfall. Eine theologische Positionsbestimmung, in: Claudia Emmert, Kunstpalais Erlangen (Hrsg.): Eckart Hahn. Der schwarze Duft der Schönheit, Heidelberg : Kehrer, 2011, S. 87.

(9) Hans Jürgen Luibl: Fragmente-Management. Gewissheit im Zerfall. Eine theologische Positionsbestimmung, in: Claudia Emmert, Kunstpalais Erlangen (Hrsg.): Eckart Hahn. Der schwarze Duft der Schönheit, Heidelberg : Kehrer, 2011, S. 88.

Unsere Ausstellung “iRonic. Die feinsinnige Ironie der Kunst” in der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen

“Die Show ist frech und hintergründig” und eine “die wirklich Laune macht” – so beschreibt der SWR in seiner Sendung KulTour (ab 5:11 min.) die Ausstellung “iRonic” in der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen, die am 20. Januar eröffnet wurde.  Auch das abschließende Fazit von KulTour ist ebenso eindeutig wie erfreulich: “Unbedingt anschauen! Die Ausstellung macht Freude.”

Das mediale Interesse, das die Ausstellung erfahren hat, ist bemerkenswert. Neben dem SWR hat auch die Radiosendung “Nachtkultur” des SWF und “Fokus Südwest” des Radio Dreyeckland über “iRonic” berichtet. Die Stuttgarter Nachrichten und die Bietigheimer Zeitung veröffentlichten zwei ausführliche Artikel zu der Ausstellung.  Sogar die deutsche Vogue widmete sich in ihrem Kulturblog “iRonic”!

Auch das Publikumsinteresse ist überwältigend: Die Besucher waren von der “feinsinnige Ironie der Kunst” begeistert und von den Werken beeindruckt.  Es beweist, dass man mit einer Ausstellung zum Thema Ironie durchaus Erfolg haben kann oder wie es Annette Krause, Moderatorin von KulTour, ausdrückt: “Auch hier (in der Bildenden Kunst) ist Ironie ein echter Trend.”

Das Kunstpalais im Stern

Nachdem bereits die Ausstellung “iRonic – Die feinsinnige Ironie der Kunst” in der Juli-Ausgabe 2011 des Sterns vertreten war, freuen wir uns sehr, dass auch unsere aktuelle Ausstellung “Otto Herbert Hajek: Keimzelle Erlangen” als besonderer Ausstellungstipp im Kulturteil des Magazins hervorgehoben wird:





Katalogkritik 2.0

Im Dezember 2011 startete das Kunstpalais eine besondere Aktion: Katalogkritik 2.0.

Via Facebook wurden Besucher der Ausstellung “iRonic. Die feinsinnige Ironie der Kunst” eingeladen, sich als Katalogkritiker zu bewerben. Im Gegenzug lockte eine Veröffentlichung der Kritiken auf dem Blog des Kunstpalais. Und nun ist es soweit: Dr. Elisabeth Preuß – Bürgermeistern der Stadt Erlangen – und Eckart Flöther – Unternehmensberater, Coach und Moderator – haben zwei Rezensionen geschrieben, die es jetzt auf unserem Blog zu lesen gibt. Für ihr Engagement wollen wir uns an dieser Stelle ganz herzlich bedanken.

Beide Autoren konzentrieren sich auf verschiedene Aspekte des Katalogs und bieten somit durch ihre Texte einen facettenreichen Eindruck von dessen Inhalt und lassen auch die Ausstellung “iRonic” nochmals aufleben. Aber überzeugt euch doch einfach selbst:

Dr. Elisabeth Preuß, Bürgermeisterin der Stadt Erlangen:

iRonic – Die feinsinnige Ironie der Kunst

Im Sommer 2011 zeigte das Kunstpalais Erlangen eine Ausstellung zum Thema “Ironie”. War schon die Ausstellung allein eine anregende Fundgrube (auch) für Politiker, im Doppelpack mit dem zugehörigen Katalog kommt “Die feinsinnige Ironie der Kunst” als unbedingtes “must have seen” daher.

Unverständlicherweise scheint das Lesen von Kunstkatalogen, und das anschließende Anwenden des Gelesenen nicht zum Alltagswerkzeug von Politikern zu gehören. Unverständlich deshalb, weil der enge Zusammenhang zwischen Politik und Kunst schon auf Seite 5 deutlich wird, wo die Autorinnen Claudia Emmert und Isabell Schenk-Weininger die 3 Worte zur Sprache bringen, die vom Politiker Barack Obama sicherlich bleiben werden: Yes, we can! Schon dieser, allen medial nicht völlig Abstinenten in Mark und Bein diffundierte, millionenfach zitierte Satz Obamas, der als Sinnbild für die Obamania stehen kann, durch welche der Amtsantritt des 44. Präsidenten mit einer kaum einzulösenden Hypothek belastet wurde, demonstriert die Notwendigkeit für Politiker, sich mit Kunst (oder deren Katalogen) zu beschäftigen. “Yes, we can” wird, im Spiegel von Patrick Mimrans tröstender Erkenntnis “Don’t worry, none of us will be remembered next century” reduziert zur Wort-Blase eines politischen Versprechens, das von vorne herein nicht gehalten werden konnte, das aber mit mit einer unendlichen Menge sonstiger Politikerworte der Gnade des Vergessens übergeben werden wird. Claudia Emmert liefert in der Einleitung des Kataloges die weitere Notwendigkeit für die Politik, sich mit der Ausstellung iRonic zu beschäftigen: “[die Künstler] greifen dabei relevante gesellschaftliche Themen auf und setzen sich mit politischen Slogans, Geschlechterrollen, Forschungsmethoden der Wissenschaft, oder unserem Umgang mit der Natur auseinander.” (S.17) Übersetzt in die aktuelle politische Agenda heißt das z. B.: Stammzellenforschung, Genderfragen, Klimawandel. Wer jetzt noch zweifelt, welchen Stellenwert der Diskurs zwischen Kunst und Politik hat, der sei an folgende Ereignisse und Aussprüche des letzten Jahres erinnert:

Forschungsmethoden der Wissenschaft: ” Ich versichere Ihnen, dass ich meine Doktorarbeit eigenhändig geschrieben habe” ( KT zu Guttenberg)

Umgang mit der Natur: “Fukushima hat meine Haltung zur Kernenergie verändert” (Angela Merkel)

Geschlechterrollen: “übrigens ist nirgendwo in der OECD der Einkommensunterschied so krass wie in Deutschland.” (Gesine Schwan am Equal Pay Day 2011)

Im Innern des Kataloges geht es dann ebenso munter mit politischen Anspielungen weiter: der Globus, der Erlangen zum Nabel der Welt macht. (Beweisen das nicht tagein tagaus auch alle möglichen Rankings? Siehe auch Glosse in den EN vom Silvestertag 2011) Oder: Patrick Mimrans aufmunternde Worte: “don’t feel stupid if you do not like what everyone else pretends to love,” die Politikern Mut machen zum eigenen Denken über Parteibuchgrenzen hinaus. Richtig ans Eingemachte geht es dann in Susanne Witzgalls Essay, “Everything you always wanted to know about art (But were afraid to ask)”. Witzgall leitet her, dass Ironie gerade durch ihr um-die-Ecke-denken dazu betragen kann, Dinge und Zusammenhänge klarer zu sehen. Niemand wird verneinen können, dass dies in der Politik durchaus förderlich sein könnte. Ironie also als “Steigerung der Mitteilungsmöglichkeit” (S. 82) und so als eine zusätzliche Dimension der Kommunikation. Für Politiker gilt natürlich wie für alle anderen Akteure in unserer Republik der wichtigste Grundsatz der Kommunikation, nämlich, dass Kommunikation das ist, was vom Gegenüber verstanden wird. Dennoch zeichnen sich Reden mit Tiefgang und Unterhaltungswert dadurch aus, dass nicht nur Subjekt, Prädikat und Objekt aneinander gereiht werden, sondern dass dem Leser oder Zuhörer Spiegel vorgehalten werden, dass er zum Nachdenken gebracht wird, dass er Absurditäten im Alltagsgeschehen unserer Republik erkennen kann. Ironie, mit bedachtem Abstand zu Spott oder gar Sarkasmus, ist so nicht nur ein Gewürz, das Sinne berührt, sondern, wie Witzgall ausführt, “ein Weg, der über die Begrenztheit der Sprache und das Ungenügen der Realität hinausführt.”(S. 82)

Bedenkt man dabei noch, dass die Zuhörer von Politikern nicht immer ganz freiwillig zuhören (Grußworte!!) dann sollte sich das Verantwortungsbewusstsein der Politredner nicht nur auf das Thema und die gebotene Kürze erstrecken, sondern auch auf die Darbietung der Rede als solche; und eine Prise Ironie trainiert dann mit Leichtigkeit nicht nur die grauen Zellen der Zuhörer, sondern auch noch deren für ein Lächeln benötigte Muskulatur. Diese Muskulatur wird auch beim Lesen des Forschungsberichtes von Ironimus Übelmann strapaziert. Dieser Bericht, der nicht nur ein literarisches Vergnügen, sondern auch ein Schmaus für den Kultursinn ist, hat seine Fußnoten nicht nur ordentlich gelistet, sondern nimmt sich auch noch eines prominenten Sorgenkindes der Sprachwissenschaft an, nämlich des vom Untergang bedrohten Genitivs. Zuvor aber führt Ironimus uns vor Augen, dass auch scheinbar kaum Spürbares (wie Feinstaub, S. 119) ungeheure Wirkungen hervorrufen kann, wenn es nicht beachtet wird. Für Politiker ein gar nicht zu überschätzender Hinweis, der möglicherweise späteres Herum-Eiern, Betroffenheitserklärungen und Flickschusterei vermeiden hilft.

Ein Wunsch zum Schluss: ließe sich die HS-Touringmaschine so umbauen, dass sie nicht nur eine jeweils aktuelle Kunstdefinition liefert, sondern z.B. je nach Bedürfnis eine Warnfunktion für Fettnäpfchen, einen Sensor für Themen, die sich zum Politikum entwickeln könnten oder am besten, einen Generator für die jeweils optimale Portion Ironie, die aus einer eher einschläfernden Rede eine Visionäre und aus einem Grußwort eine anregende Begrüßung macht? Wie Ironimus ende ich mit Turnvater Jahn: “wo dieselben Menschen tagtäglich nur Einerlei sehen, hören und treiben, nur mit ihrer nächsten Nachbarschaft verkehren, muss Beschränktheit die notwendige Folge sein.” Vor dieser Beschränktheit schützt die Beschäftigung mit Kunst.

Eckart Flöther:

iRonic – Die feinsinnige Ironie der Kunst

Wir alle haben erfahren, wie ein ironischer Dialog, der Beziehung von Menschen Würze gibt. Es bleibt bei Anspielungen, Doppeldeutigkeiten und hintergründigen Schelmereien. Trotzdem – oder gerade deswegen schafft Ironie eine augenzwinkernde Komplizenschaft und regt die Phantasie an.  Zu diesem Thema eine Ausstellung zu wagen, zeugt von Mut. Denn, Ironie braucht Niveau, damit sie ihre feinsinnige Wirkung entfalten kann. Ohne es gefriert sie zur Arroganz oder rutscht schnell ins Banale ab.

Beim Betrachten der zusammengetragenen Kunstwerke kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Ironie beschränkt sich längst nicht nur auf Rhetorik, sie hat sich in alle Facetten unseres Lebens eingeschlichen, lugt aus jedem Winkel unseres Verhaltens, ja gibt unserem Dasein eine überraschend hintersinnige Dimension.

Der Katalog zur Ausstellung des Kunstpalais Erlangen ist ein kleines Kunstwerk. Die Mehrdimensionalität der Graphik ist eine Augenweide. Die verwendeten Stilelemente, der kurzweilige Wechsel von Textpassagen und Kunstwerken erzeugen eine kreative Spannung, die einen nur schwer loslässt. Die erläuternden Texte geben einen tiefen Einblick in den Stellenwert sowie die Vielfältigkeit der Ironie in der Philosophie, Politik, Kommunikation, Kunst, in unserem Alltag, selbst der Facebook-Generation. Alle im Katalog wiedergegebenen Kunstwerke erzählen eine ganz eigene Geschichte. Den nötigen Tiefgang zu diesen Geschichten liefern die dazu von Dr. Claudia Emmert glänzend formulierten Texte. Den Künstlern gelingt es in ihren Werken beim Betrachter ganz unterschiedliche Reaktionen hervorzurufen: Nachdenklichkeit, Neugierde, Trauer, Erstaunen, Faszination, Schmunzeln, Interesse oder sich ertappt zu fühlen.

Alles in allem: Der Katalog ist eine gelungene Mischung aus sehenswerter, zeitgenössischer Kunst, überraschenden Einsichten und graphischem Können; professionell eben. Ich bin sicher, er wird ein gefragtes Sammlerobjekt.


Der neue Katalog von iRonic ist da!

Endlich ist der Katalog zu iRonic: Die feinsinnige Ironie der Kunst erschienen und ab sofort im Museumsshop des Kunstpalais erhältlich. Wer nicht in die Ausstellung kommen konnte, kann das nun nachholen und sich durch den Katalog wühlen. Ansonsten ist es eine wunderbare Gelegenheit, sich die Ausstellung noch einmal in Erinnerung zu rufen und sich die sehr interessanten Texte zu Gemüte zu führen. Als kleinen Vorgeschmack gibt es exklusiv auf unserem Blog ein paar visuelle Eindrücke vom Katalog:

Ausgefallene Ergebnisse beim Kunstfigurenworkshop

Letzten Donnerstag, am 1.9.2011, fand im Kunstpalais gleich zweimal der Kunstfigurenworkshop Gräfin Polyester, Prinz Eisenbart und Königin Silberfolie zu unserer Ausstellung iRonic: Die feinsinnige Ironie der Kunst statt. Es wurde jeweils fleißig geschnipselt, gebastelt und Alltagsgegenständen der Kopf verdreht! Eimer, Handtasche oder Maske als Kopfbedeckung? Eine Ladung Papierschnüre als Haarverlängerung gefällig? Tolle Requisiten, darunter viele detailreiche Kleider, blieben sowohl von Mädels als auch Jungs für die verrücktesten Ideen nicht verschont… Hier nun ein Ausschnitt der Ergebnisse der Kids aus dem Hort Holist in Erlangen: Es kam so manche Modelqualität, kreative Ader oder Wunschfrisur ans Tageslicht…

Die spannenden Ergebnisse des zweiten Workshops folgen…

Aufbruchstimmung!

Olé olé!!!

Sowohl die Einladungskarten als auch das Begleitprogramm zur nächsten Ausstellung Eckart Hahn: Der schwarze Duft der Schönheit sind eingetroffen!!!

Kommt vorbei, schaut euch’s an, nehmt es mit, gebt es euren Freunden und lasst die Vorfreude walten – sei es auf die tollen Highlights der Kunstvermittlung (Diesmal wieder breit gefächertes Angebot: Theater-, Sound-, Knetfiguren- und Papierworkshops stehen auf dem Programm! Außerdem ein Künstlerworkshop und -gespräch mit Eckart Hahn himself, eine Hörbuchnacht unterm Sternenhimmel mit elektronischer Musikbegleitung u.v.m…) oder auf die tolle Ausstellung selbst!

Und wer vor lauter Hitze noch ‘ne ordentliche Portion Ironie braucht, hat bis zu diesem Sonntag, den 4. September, die Chance, unsere laufende Ausstellung iRonic. Die feinsinnige Ironie der Kunst zu besuchen…

Videoworkshop – Spaß in der Fußgängerzone

Wer am Mittwoch, den 27. Juli, am frühen Abend auf dem Marktplatz lautes Lachen und Gekicher gehört hat, ist vermutlich an unseren Teilnehmern des Videoworkshops Kleine Aktionen mit großer Wirkung – Trouble in der Fußgängerzone vorbeigelaufen… Denn nach einer Führung durch die Ausstellung iRonic – die feinsinnige Ironie der Kunst machten wir uns tatkräftig daran, in Anlehnung an die verschiedenen Künstler selbst, etwas ironisches Flair in Erlangen zu verbreiten. Wir, das sind neben unseren Teilnehmern, fünf Erlanger Jugendliche, sowie deren Lehrerinnen, Theater- und Medienpädagogin Rosalin Hertrich und Kunstpalaispraktikantin Paula. Nach kreativer Ideensammlung und Beratungsminuten fiel die Entscheidung auf  Ahmet Ögüt – Somebody Else’s Car (2005), eine Diashow, für die der Künstler sich selbst fotografierte, während er Autos von Fremden heimlich zum Taxi oder Polizeiauto umgestaltete. Ähnlich, nur nicht ganz so riskant, war eine unserer Aktionen: Ein paar Erlanger, die an diesem Nachmittag ihr Fahrrad auf dem Marktplatz stehen hatten, konnten sich über die eine oder andere künstlerische Verzierung wundern… Außerdem wollten wir, angelehnt an Patrick Mimrans – Don’t worry, none of us will be remembered next century (2011), Menschen durch Texte an ungewöhnlichen Plätzen im Stadtbild stutzig machen (So durfte sich ein Straßenschild über die Weisheit “Der wahre Traumprinz ist kein Frosch, sondern eine Schnecke, denn er braucht lange, bis er dich findet” freuen). Als letzten Schabernack filmten wir, ähnlich zu Sener Özmens Road to Tate Modern, absurde Interviews mit ahnungslosen Fußgängern, zum Beispiel mit der Frage nach dem nächsten Supermarkt – dies jedoch genau vor der Normafiliale! Gerade hierbei war es gar nicht so einfach, ernst zu bleiben und nicht einfach loszuprusten und alles aufzudecken. Bei der Fahrradumgestaltung war eher das Schwierige, sich trotz der vielen Leute unauffällig zu verhalten und nicht bei jedem Vorbeigehenden sogleich in “Ahhhh, die holen gleich die Polizei!”-Hysterie auszuarten! Doch die Mitglieder der Truppe waren alle erfolgreich und alles in allem war der Workshop sowohl für die Jugendlichen als auch uns Kunstpalaisler ein Riesenspaß und eine tolle Erfahrung. Denn was bleibt nach Überwindung und Mut zu nicht alltäglichen Taten zurück? Genau, Stolz. Unser Hahn im Korb, ganz über sich heraus gewachsen vor seinen Klassenkameradinnen und den anderen Mädels, drückte es auch so aus: “Ich fand alles schön.”

Bis zum nächsten Mal!

Hoher Besuch im Kunstpalais

Heute Morgen besuchte Oberbürgermeister Herr Dr. Siegfried Balleis mit Bürgermeisterin Birgitt Aßmus und seiner Referentenrunde (u. a. Thomas Ternes, Dieter Rossmeissl und Egbert Bruse) die momentane Ausstellung iRonic im Kunstpalais. Passend zum Ausstellungsthema konnte sich das ein oder andere Schmunzeln nicht verkniffen werden – seht selbst…

iRonic – Klappe, die Erste

Et voilà – ein kleiner Einblick in unsere aktuelle Ausstellung

mit Künstlerstatements von Shannon Bool und Claude Wall.

Lust auf mehr? Noch bis 4. September im Kunstpalais!

Film und Schnitt von Rosalin Hertrich

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