EINTAUCHEN in die Kunst – Eine Mitmachklanginstallation im Kunstpalais

PapierfädenIn einem 5-tägigen Sommerferienworkshop experimentierten Schüler verschiedener Altersstufen im Kunstpalais. Gemeinsam erkundeten, planten, schnitten, klebten, rechneten, sägten, bohrten, schraubten, verzierten, zeichneten und malten sie.

Zu Beginn der Workshopwoche führte Jessica Ullrich, im Kunstpalais zuständig für die Kunstvermittlung, die Teilnehmer durch die aktuelle Ausstellung Walking Beside Time der dänischen Künstlerin Kirstine Roepstorff. Im Obergeschoss erklärte sie den Schülern das Konzept und die Arbeitsweise der Künstlerin, die u.a. mit großformatigen Collagen, verschiedenfarbigen transparenten Vorhängen und einer Auswahl wertvoller Steine aus verschiedenen Ländern einen Gang durch Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart inszeniert. Im Untergeschoß standen dann Roepstorffs Messingobjekte, die sich künstlerisch mit dem Thema Klang auseinandersetzen im Fokus der Führung. In ihren Collagen und Skulpturen arbeitet Roepstorff mit wiederkehrenden Formen und Materialien: Eine wellenartige Fom etwa symbolisiert ihre Vorstellung eines sehr alten Ur-Klangs.

IMG_4475Nach der Führung entwarfen die Schüler erste Skizzen für das große Sommerferienprojekt, das in dieser Woche entstehen sollte. Mit der Vorgabe, das einige Kisten aus Pappe, die sogenannten MuseobilBoxen, verbaut werden sollten, entstand die Idee, ein hölzernes Hausgerüst zu bauen, das die einzelnen Boxen miteinander verbindet. Außerdem sollten in das Haus Licht und Klangelemente einziehen. Stoffe, Schmuck, Perlen, Papiere, Mosaik standen zur Gestaltung der Boxen bereit. Einkaufslisten wurden geschrieben und ab ging es in den Baumarkt!

Unzählige Holzlatten wurden für das Gerüst des Hauses ausgemessen, gesägt, gebohrt und geschraubt. Dem gängigen Klischee entsprechend waren vor allem die Jungs mit großer Begeisterung bei den Arbeiten mit den Bohrmaschinen dabei. Aber auch die Mädels beteiligten sich tatkräfitg. Nach und nach entstanden immer mehr Ideen: Was wäre ein Haus beispielsweise ohne einen Kamin? Und dann durfte natürlich auch das Kaminrohr und der zugehörige Ofen nicht fehlen.

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Mit großer Ausdauer und wachsender Begeisterung arbeiteten die Teilnehmer am Holzhaus und ihren einzelnen Kleinprojekten, den MuseobilBoxen. Angeleitet von den Kunstvermittlern Cosima Bauer, Eva Winter, Benjamin Zimmermann und Diego Sindbert entstanden in der Woche viele kleine Kunstwerke, die am Ende zur großen Raumcollage im Innenhof des Kunstpalais zusammengesetzt wurden.

Anklänge an Roepstorffs Konzept der Raumcollage fanden sich genauso wieder, wie die Arbeit mit Materialien aus dem Alltag. Auch formal tauchte einiges wieder auf, das in der Ausstellung zu sehen war, wie die kostbar wirkenden, abstrakten Formen, die an dünnen Fäden hängen und Assoziationen an Klänge hervorrufen. Das Eintauchen in neue Welten, wie in Kirstine Roepstorffs Ausstellung das Eintauchen in vergangene Zeiten, Unterwasserwelten oder kosmische Sphärenklänge, wurde hier ergänzt durch ein Angebot zum Eintauchen in die Vorstellungswelt von 12 Kindern und Jugendlichen.

Die vielen individuellen Projekte ergaben am Ende ein großes Ganzes und bildeten eine phantasievolle Raumcollage. Das Motiv des Hauses, in dem zwar jeder Bewohner sein eigenes Zimmer nach seinen Wünschen gestalten kann, aber dennoch in einer Gemeinschaft lebt, wurde hier mit viel Kreativität und Einfallsreichtum umgesetzt.

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Der Workshop „Eintauchen“ wurde im Rahmen des Förderprogramms Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung unterstützt. Die Mitmachklanginstallation ist in Kooperation des Kunstvermittlungsteams des Kunstpalais mit der Jugendkunstschule Erlangen, der Staatlichen Schule für Kranke und der Kinder- und Jugendabteilung für psychische Gesundheit des Universitätsklinikums Erlangen entstanden.

Das Ergebnis wurde am Samstag nach Ende des Workshops der Öffentlichkeit im Innenhof des Palais Stutterheim präsentiert. Zurzeit ist das Haus noch für einige Wochen im Frankenhof, Südliche Stadtmauerstraße 35 in Erlangen, zu bewundern.

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„Cooper“ – Ein Film über einen kleinen Mann mit großen Träumen

Entstanden im Rahmen des Workshops „Knetanimation“ mit Schülern (Josie, Lucas, Lukas, Lorenz,  Lisa, Ben und Luka) der Schule für Kranke unter der Leitung von Eva Winter

Mit großer Neugier und wachsamen Augen verfolgten die Schüler die Geschichte der sieben Emigranten, die der dänische Künstler Nikolaj Larsen in seinem Film „Promised Land“, die in der Ausstellung “Freiheit!” im Kunstpalais gezeigt wird, zu Wort kommen lässt. Was bedeutet für Mohammed, Jafar, Hasan, Camron, Khan, Reza und den erst drei Jahre alten Nima der Begriff Freiheit? Weshalb fliehen die Männer aus ihrer Heimat – warum lassen sie ihre Familien zurück – welche Gefahren nehmen sie in Kauf – was erhoffen sie sich von dem fremden Land, von dem sie schon so lange träumen und was ist ihr größter Wunsch?

Angeregt von der bewegenden Geschichte dieser Männer und den beeindruckenden Bildern, schufen die Kinder einen Stop-Motion-Film namens „Cooper“. Cooper ist ein kleiner Knetgummimann, der, in seiner Heimat unterdrückt, von einem Leben in Freiheit träumt. Mit großem Mut und unerschütterlichem Willen macht sich Cooper auf den Weg, um das Land seiner Träume zu finden.

Freiheit! Kreative Radiokunst von Jugendlichen für Jugendliche

Ein Projekt der Kunstvermittlung zur Ausstellung Freiheit!

Endlich! Nach vielen Vorbereitungen startete vor zwei Wochen die Praxisphase unseres großen Radioprojekts. Und wir sind noch immer mittendrin! Über 30 Jugendliche einer 8. Klasse der Realschule am Europakanal Erlangen produzieren bis Mitte Mai zusammen mit der Kunstvermittlung des Kunstpalais und den Redakteurinnen von unimax, der Studentenradioshow auf afk max und bit eXpress, einen Radiobeitrag zum Thema Freiheit.

Das Ergebnis wird am 12. Mai 2013, 15 Uhr, im Rahmen des 36. Internationalen Museumstags im Kunstpalais präsentiert. Wir möchten euch hier daran teilhaben lassen, was die Jugendlichen bereits alles in ihrem Radioprojekt gemacht haben und was noch kommt. Seht und lest selbst!

Die Vorbereitungen
Seit einigen Wochen befassen sich die Jugendlichen im Unterricht intensiv mit dem Thema Freiheit. Einige Schülerinnen und Schüler nahmen Kontakt zur ehrenamtlichen Flüchtlingsbetreuung in Erlangen e.V. (EFIE) auf und interviewten Flüchtlinge zu ihrer Situation. Andere informierten sich über die Arbeit der Jugendvollzugsanstalt Erlangen.

Radiokunst-Beispiele aus der aktuellen Ausstellung 25 Jahre Kunstradio-Radiokunst der Weserburg und des Studienzentrums für Künstlerpublikationen Bremen vermittelten den Jugendlichen einen Einblick in die Vielfalt des künstlerischen Radiomachens.

Die Preview-Führung
Vor der offiziellen Ausstellungseröffnung Freiheit! durften die Jugendlichen das Kunstpalais ganz exklusiv in einer Preview-Führung mit Kunstpalais-Leiterin Claudia Emmert besuchen.

Ein Highlight war das partizipative Internetprojekt Weiweicam des weltweit bekannten Künstlers Ai Weiwei, das im Kunstpalais zum ersten Mal in einer Ausstellung präsentiert wird. Die Empörung war groß, als die Jugendlichen erfuhren, dass der Künstler 2011 aufgrund angeblicher Steuerhinterziehung für 81 Tage inhaftiert wurde, bis heute nicht aus Peking ausreisen darf sowie unter ständiger Überwachung durch die chinesische Regierung steht. Einige Schülerinnen und Schüler entschlossen sich zu einer spontanen Solidaritätsbekundung im Kunstpalais (siehe Fotoalbum).

Die Projekttage
Am ersten Tag lernten die Jugendlichen von der leitenden unimax-Redakteurin Susanna Wolf, wie ein Radiobeitrag aufgebaut sein sollte, um interessant und spannend auf den Zuhörer zu wirken. Die Medienpädagogin Rosalin Hertrich vermittelte anschließend in einem praktischen Stimmtraining, wie man einen Text in verschiedenen Gefühlslagen vortragen kann und sich nicht dauernd verspricht!

Nach einer technischen Einweisung in die Aufnahmegeräte teilte sich die Schulklasse in Gruppen auf und feilte an ihren Konzepten für ihre akustischen Beiträge. Dann zogen sie los, um Aufnahmen in der Ausstellung Freiheit! zu machen, Befragungen in der Fußgängerzone durchzuführen und um Claudia Emmert zum Konzept der Ausstellung zu interviewen.

Am nächsten Tag ging es in die professionellen Schnitträume des Instituts für Theater- und Medienwissenschaft (ITM) der FAU Erlangen-Nürnberg, in denen Benjamin Zimmermann und Susanna Wolf den Jungendlichen den Umgang mit dem Audioschnittprogramm erläuterte. Die anderen Gruppen verfassten ihre Moderationstexte und diskutierten, welche Freiheits-Songs in der Sendung auftauchen könnten.

Am Nachmittag bearbeiteten die Schülerinnen und Schüler selbstständig ihre Rohaufnahmen an den Computer-Arbeitsplätzen, schnitten Dateien zusammen, verfremdeten und collagierten sie, passten unterschiedliche Lautstärken aneinander an und blendeten Störgeräusche aus.

Ende April werden die Jugendlichen ihren Aufnahmen den letzten Schliff geben und die Beiträge zu einer kompletten Radiosendung zusammenfügen.

Die Live-Sendung
Aufregend und spannend bleibt es bis zum Schluss: Die Moderationsgruppe wird ihre Texte am 12. Mai im bit-eXpress-Sendestudio des Frauenhofer IIS in Tennenlohe einsprechen! Ein wenig Aufregung ist natürlich auch dabei – es ist für alle Nachwuchs-Redakteure das erste Mal, live zu moderieren.

Also: Kommt am 12. Mai, 15 Uhr, vorbei und hört euch das Ergebnis auf dem 36. Internationalen Museumstag im Kunstpalais an! Wir freuen uns auf euch!

Der Beitrag wird außerdem als Podcast hier auf unserem Blog veröffentlicht. Ab dem 14. Mai und bis zum Ende der Ausstellung kann die Radiosendung auch auf einem ausleihbaren MP3-Player in der Ausstellung angehört werden. Informationen und Kontakt: Katrin Rickerts, Kunstvermittlung, katrin.rickerts@stadt.erlangen.de

Mit freundlicher Unterstützung des Studienzentrums für Künstlerpublikationen / Weserburg Bremen

Gefördert vom Kinderfonds der Bürgerstiftung Erlangen und dem Elternbeirat Realschule am Europakanal

Knetfiguren in Aktion!

Ein Erfahrungsbericht zum Workshop „Knetfiguren in Aktion“ von Mariella Hosp

Warme Sonnenstrahlen suchen sich an diesem Augusttag ihren Weg durch das dichte Blätterwerk der Bäume im Burgberggarten. Auf dem Kiesweg tanzen die  grün-blau-schwarzen Schatten. Vögel zwitschern.  Die ein oder andere Biene summt von einer Blüte zur nächsten. Inmitten des saftigen Grüns ragt ein bronzener Arm in die Höhe und eine seltsam gekrümmte Gestalt gleitet in ihrem Blätterboot vorbei. Welch wundersame menschenähnliche Gestalten haben sich hier in dieser grünen Idylle angesiedelt? Es gibt einiges zu entdecken!

“Schaut! Die Beiden dort unten winken uns zu!”, “Vielleicht unterhalten sie sich auch miteinander.”, “Von hier oben sehen alle viel kleiner aus!”. Neugierig und fasziniert rufen die Kinder ihre Eindrücke durcheinander. Die kleinen Entdecker sind eine Gruppe des Horts Sonnenblume aus Erlangen und besuchen an diesem Nachmittag gemeinsam den Heinrich-Kirchner-Skulpturengarten.

Nach einem kurzen Anstieg sind sie am höchsten Punkt des Burgberggartens angekommen und überblicken nun die gesamte Anlage. Von hier oben eröffnet sich nicht nur eine wunderbare Aussicht über die Dächer Erlangens, auch die bisher gesehenen Plastiken lassen sich ausgezeichnet Revue passieren. Mit großer Begeisterung geben die Kinder ihre Eindrücke wieder, die sie während des halbstündigen Rundgangs durch den Garten gewonnen haben.  Einige versuchen, die Posen der Figuren nachzustellen. Es wird getastet, gefühlt und geklopft, um dem Material und dem Kern der riesenhaften Wesen auf die Spur zu kommen. Große Kinderaugen staunen, als sie erfahren wie aufwändig und langwierig die Herstellung der schweren Bronzeplastiken ist. Viel Fantasie bringen die kleinen Besucherinnen und Besucher auch mit, wenn es darum geht, den Geschichten der metallischen Gartenbewohner während des Spaziergangs auf den Grund zu gehen. Was haben sie während der 30 Jahre im Burgberggarten alles erlebt? Woher kommen sie? Wohin gehen sie? Unterhalten sie sich miteinander?

Nach einem letzten Blick über die Stadt folgt der Abstieg, der die Gruppe vom ehemaligen Nutzgarten in den parkähnlich angelegten Teil des Gartens führt. An einer kleinen Lichtung entdecken die Kinder eine sitzende Frauenfigur. Sie ist die älteste Skulptur Heinrich Kirchners im Garten und gleichzeitig die letzte Station des Rundgangs. Anders als die vorher betrachteten Plastiken hat sie menschlichere, realistischere Züge. Ihre weichen Formen unterscheiden sich deutlich von den späteren, abstrakter gestalteten und auf einfache Formen beschränkten Bronzen. Die Kinder staunen, als sie erkennen, wie sehr sich der Stil und die Arbeitsweise des Bildhauers im Laufe seines Lebens verändert hat. “Die Frau gefällt mir am besten, weil sie so echt aussieht” stellt eins der Mädchen fest.  Ein anderes Kind widerspricht: “Die anderen Skulpturen sind auch schön. Sie sehen einfach anders aus. Es sind ja auch nicht alle Menschen gleich.”

Die Neugierde der Kinder wird geweckt, als sie im Gras der Wegböschung eine kleine Knetfigur entdecken, die wie eine der Kirchnerplastiken mit hochgerecktem Arm zum Himmel blickt. Die Begeisterung ist groß, als sie erfahren, dass sie nun eigene Knetfiguren entwerfen dürfen. Mit viel Fantasie lassen sie ihren eigenen kleinen Skulpturengarten entstehen, in dem sich Wanderer, Skiläufer, sitzende Figuren und sogar kleine Knettiere ansiedeln. Zur Erinnerung werden die kunstvollen, bunten Arbeiten in Fotos festgehalten, von denen einige hier zu sehen sind. Mit vielen neuen Eindrücken geht der Workshop schließlich zu Ende. Das Interesse und die Neugierde der Kinder ist geweckt. Dass der Burgberggarten so spannend sein kann, hätten sie zu Anfang nicht gedacht. Sie wollen auf jeden Fall wieder kommen. Bestimmt gibt es beim nächsten Mal wieder so viel zu entdecken!

Zur Person: Mariella Hosp B.A., ist Kunsthistorikerin und derzeit freie Mitarbeiterin des Kunstpalais Erlangen.

 

Architektur erleben!

Eine Kooperation von Kunstpalais und Jugendkunstschule Erlangen mit Michael-Poeschke-Grundschule, dem städtischen Kinderhort Holist, der Hermann-Hedenus-Schule und der Georg-Simon-Ohm Hochschule Nürnberg.

Architektur erleben! Von März bis Mai 2012 setzten sich rund 40 Kinder und Jugendliche künstlerisch mit Architektur und Stadtplanung auseinander und lernten ihre eigene Stadt aus neuen Blickwinkeln kennen. Es fanden Ausstellungsbesuche in Keimzelle Erlangen: Otto Herbert Hajek im Kunstpalais, Modellworkshops und Stadterkundungen statt. Als fulminanter Abschluss wurden die Miniaturmodelle, Architekturlandschaften und Raumwürfel in einer Ausstellung präsentiert!

Wollt ihr euch einen eigenen Eindruck verschaffen? Hier einige Impressionen der Ausstellungseröffnung von “Architektur erleben” in den Schaufenstern vom Atelier Pinsl. Wer die Arbeiten der Schülerinnen und Schüler sehen möchte, hat noch bis zum 31. Juli 2012 die Gelegenheit einfach vorbeizuschlendern  (Westliche Stadtmauerstrasse 19, Erlangen).

Video: Christina Schöner | Schnitt: AKTIV Kommunikationsmarketing Nürnberg

Die Veranstaltung fand statt im Rahmen von:

Stadt.Geschichte.Zukunft | 13. Mai – 31. Juli 2012
Eine bayernweite Veranstaltungsreihe von STADTKULTUR Netzwerk Bayerischer
Städte e.V. mit den beteiligten Städten, Schulen, Museen und weiteren Partnern vor Ort.
Das komplette Programm finden Sie unter: http://www.stadt-geschichte-zukunft.de

Gastbeitrag #4: Schau in mein (Wut-)Gesicht!

Ein Erfahrungsbericht zum Maskentheaterworkshop „Wutgesicht“ von Christina Schöner

Wut. Wir alle kennen sie. Manchmal staut sie sich in uns an, bis wir es nicht mehr aushalten. Dann platzt uns sprichwörtlich der Kragen und wir machen unseren Gefühlen freien Lauf. Vielleicht werden wir sogar von ihr ergriffen und fortgespült. Doch so bekannt uns diese Emotion ist, so unterschiedlich sind ihre Ursprünge und Ausdrucksformen in jedem von uns. Wie sich Wut im Menschen äußern kann, durfte ich an zwei Tagen als Teilnehmerin eines Maskentheaterworkshops im Rahmen der Ausstellung “Töten” im Kunstpalais erfahren.

Tag 1

Vorbesprechungen und erste Theaterexperimente

Basis des Workshops war ein Ausstellungsrundgang mit der Gruppe. Gemeinsam besprachen wir ausgewählte Werke: Was sehen wir, wie sehen wir es, was rufen die Werke der Ausstellung in uns hervor? Spüren wir etwa Wut über das Gezeigte? Wie wird Wut in den künstlerischen Arbeiten thematisiert? Nach dem Rundgang begannen erste Aufwärm- und Reflexionsübungen mit dem Spiel mit unseren Namen. In verschiedenen Lautstärken, Betonungen, Intonationen und Emotionszuständen und kleinen Szenen experimentierten wir mit der Bewegung im Raum. Die Szenen werden intensiver und beruhigen sich wieder. Durch Meditation besinnen wir uns der eigenen Gefühle, dem eigenen Befinden. Existiert Wut im eigenen Körper, wo ist diese verortet und wie fühlt sie sich an? Habe ich bereits eine Idee, wie die Wutmaske aussieht? Nach dieser Selbstwahrnehmung wird die Wahrnehmung des Gegenübers erprobt. Zu Paaren versetzen wir uns in den Anderen: Was macht iwohl wütend und wie könnte Deine Wutmaske aussehen?

Ab in die Praxis

Nun endlich geht es in die Praxis! Wir finden uns in Teams zusammen und besprechen unsere Ideen. Es wird die Form der Maske diskutiert – Halb- oder Vollgesichtsmaske, ob Öffnungen für Augen, Mund und Nase vorhanden sein sollen, oder nicht. Oder ob etwa Einarbeitungen oder Strukturierungen bereits von vornherein eingebunden werden sollen. Dann wird losgelegt. Binden zerschnippelt, Gipsbinden mit Wasser getränkt. Dabei nur nicht vergessen, sich dick einzucremen und dabei möglichst keine Stelle auslassen. Nicht das jemand eine unbeabsichtigte Haarentfernung bekommt! Nach einer kurzen Antrocknungszeit können die Masken wieder vom Gesicht gelöst werden –was für ein Freiheitsgefühl! Auf den fertigen Maskenrohling, werden noch Details modelliert. Nun schnell, die Zeit ist fast schon um. Im Sprint wird die letzte Maske beendet, bevor alle sich in den Restsamstag verabschieden. Derweil härten unsere Masken friedlich aus und schlafen in den nächsten Tag hinein.

Hier ein paar Einrücke vom ersten Workshoptag:

Tag 2

Emotionsspiele – Aufwärmübungen

Am zweiten Workshoptag begannen wir vor dem Fertigstellen der Masken mit mehreren Theaterübungen. Zunächst wärmten wir uns durch Bewegung auf und erschlossen so den Raum. Dann verbanden wir diese mit verschiedenen Emotionen oder Körperzuständen. Wir spielen für uns allein und dann paarweise. Mit unserem Gegenüber probieren wir Emotionen aus. Stellen sie gegenüber, gehen aufeinander ein oder blockieren sogar das Spiel des anderen. Wir fragen uns in einer abschließenden Besprechung: Vermitteln wir die Emotion glaubhaft? Noch einmal wird die eigene Wut mit einem Gesprächspartner reflektiert. Ursachen und Äußerungen erläutert. Dann wird erneut meditiert. Über die Verortung der Wut in unserem Körper. Über ihre Gestalt, Form und Farbe.

Maskenfinish

Nach dieser Meditation ist der Kurs eingestellt auf die zweite Kreativphase. Wir beginnen, unseren Vorstellungen konkrete Gestalt auf dem Maskenrohling zu geben. Erste Ideen, die am Vortag entstanden sind, konkretisieren sich in Form und Farbe. Wir schnippeln, schneiden, schaben und bohren, bearbeiten den Rohling auf unterschiedlichste Weise. Gipsformen scheinen in das künstliche Gesicht zu fließen oder umkränzen es strahlengleich. Erste Entwürfe werden im Arbeitsprozess wieder verworfen. Farben geändert. Formen zugunsten anderer aufgegeben. Wir tragen Farbe auf. Rot, gelb, grün. Blau und rot, schwarz und weiß. Gemischt oder in leuchtender Reinform. Tupfen, streichen, sprenkeln, stricheln. Ziehen Konturen nach, akzentuieren mit anderen Materialien. Auf Höhen schimmert Glitter. Federn wachsen Auswüchsen ähnelnd aus der Maske hinaus. Schnüre schlängeln sich tentakelgleich in alle Richtungen. Ab und zu halten wir inne, probieren die Maske auf. Betrachten uns im Spiegel – ist das meine Wutmaske?

Das Spiel mit den Masken oder: Ich bin die Wut in dir

In der Gruppe positionieren wir uns vor der Maske. Zunächst erläutern wir ihr Äußeres, aus der Position ihres Schöpfers. und versetzen uns dann in sie hinein. Wir beschreiben uns selbst, die Wutmaske. Wie sehe ich aus und was tue ich für meinen Träger? Weshalb war ich, die Maske oder mein Träger, das letzte Mal wütend und wie soll sich das äußern? Wie wirkt es, wenn jemand anders die Maske trägt? Der Übergang in die Spielphase ist fließend. Wir bewegen uns mit Maske durch den Raum. Setzen sie auf, setzen sie ab. Begegnen anderen Masken. Äußern unsere besonderen Eigenheiten in Lauten und Gesten. Führen der Gruppe vor, wie die Maske wirkt, wenn sie sich alleine auf die Gruppe zubewegt. Und diskutieren über die verschiedenen Eindrücke. Danach bewegen wir uns noch einmal mit unseren Masken durch den Raum. Dabei versuchen wir, unser ganz eigenes Standbild und einen Gruppenlaut zu finden.

Als Fazit des Wochenendes kann man die folgenden Worte verwenden: Intensiv. Ungewohnt. Persönlich. Und dennoch unbedingt eine Erfahrung wert.

Abschließend noch Impressionen vom letzten Workshoptag:

Zur Person: Christina Schöner studiert Kunstgeschichte und Pädagogik und ist zurzeit Praktikantin im Kunstpalais.

Pimp your city – Erlanger Marktplatz wird bunt

Ganz Europa bibberte vor zwei Wochen unter dem strengen Frost, und auch Erlangen hatten die Minusgrade fest im Griff. Dennoch konnte die Eiseskälte die Teilnehmerinnen des Workshops “Meine Farbe in der Stadt” (in Kooperation mit dem Theater Erlangen) nicht davon abhalten,  ihre kreativen Spuren am Erlanger Marktplatz zu hinterlassen. Ganz im Sinne Hajeks haben sie dem winterlichen Platz neues Leben eingehaucht und ihn so in ein vollkommen neues Licht gerückt: Der Wasserspeier des Brunnens spuckt plötzlich bunte Stoffbahnen, eine Sitzbank wurde mit Hilfe einer Decke in ein kuscheliges Sofa verwandelt – so ließ sich der heiße Tee gleich noch besser genießen – und auch die Laternen erhielten Dank eines “Farbliftings” ein neues Aussehen. Schließlich wurde vor den Stufen des Palais Stutterheim sogar der rote Teppich ausgerollt.

Dass diese Aktion nicht unbemerkt blieb, versteht sich von selbst. Einige neugierige Zuschauer beobachteten das Treiben und waren sichtlich begeistert über die Veränderung des Marktplatzes. Da ist es eigentlich schade, dass diese Veränderungen nach Ende des Workshops wieder rückgängig gemacht werden mussten. Die Ergebnisse möchten wir euch trotzdem nicht vorenthalten: Viel Spaß beim Durchklicken!

Nachwuchskünstler gestalten ihren Lieblingsplatz

Wie könnte ein Platz in Erlangen aussehen, wo sich Kinder wohlfühlen?

Dieser Frage gingen die Teilnehmer des Modellworkshops “Ein Platz für Dich” zusammen mit der Künstlerin Larissa Kopp M.A. nach. Vergangenen Samstag ließen sie sich von den Raumgestaltungen Otto Herbert Hajeks inspirieren und verwandelten mit viel kreativem Spürsinn das Modell eines Platzes in Erlangen in ihren persönlichen Lieblingsort. Dabei waren – genau wie bei Hajek – viele knallige Farben und außergewöhnliche Formen im Spiel.

Damit ihr nun auch in den Genuss der wunderbaren Werke kommt, haben wir hier einige Bilder für euch:

Blick hinter die Kulissen II: Kunstvermittlungsraum

Der Kunstvermittlungsraum des Kunstpalais steht im Mittelpunkt des zweiten Teils unserer Vorstellungsserie Blick hinter die Kulissen. Er befindet sich im 2. Stock, direkt gegenüber der Bibliothek. Sechs Fenster sorgen für genügend Licht in dem ca. 50 m² großen Raum. Darin befindet sich ein großer Tisch als Arbeitsfläche und diverse Materialien für die Workshops.

Um euch Informationen aus erster Hand über den Kunstvermittlungsraum zu liefern, haben wir ein kurzes Interview mit Katrin Rickerts von der Kunstvermittlung des Kunstpalais geführt.

Kunstpalais Blog:  Seit wann gibt es die Kunstvermittlung und den Kunstvermittlungsraum im Kunstpalais?

Katrin Rickerts:  Die Kunstvermittlung existiert seit Oktober 2010, der neue Raum steht uns seit April 2011 zur Verfügung. Davor haben wir einen Raum in der Helmstraße 1 zwischengenutzt.

Kunstpalais Blog: Wofür braucht man einen Kunstvermittlungsraum?

Rickerts: In erster Linie für die künstlerische Praxis, z.B. praktische Workshops. Die Kunstvermittlung des Kunstpalais bietet verschiedene Zugänge zur zeitgenössischen Kunst an – von der klassischen Führung bis zum medienpädagogischen Workshop oder der Kurzfilmnacht zur Ausstellung.

Kunstpalais Blog: Was ist der Sinn von Kunstvermittlung?

Rickerts: Die Kunstvermittlung soll es jedem ermöglichen, einen individuellen Zugang zur Kunst zu finden.

Kunstpalais Blog: Was ist die Zielgruppe? Kannst du mir ein Beispiel nennen?

Rickerts: Es gibt z.B. ein spezielles Programm für Schulklassen und pädagogische Institutionen. Wir entwickeln Lehrplanführungen und Workshops extra für diese Zielgruppen.

Kunstpalais Blog: Hast du besonders schöne Erinnerungen an einen der Workshops im Kunstvermittlungsraum?

Rickerts: Der Künstlerworkshop mit Eckart Hahn war eindeutig etwas besonderes. Die Kinder und Jugendlichen waren fasziniert und haben dem Künstler richtig Löcher in den Bauch gefragt.

Kunstpalais Blog: Wie viele Personen passen in den Kunstvermittlungsraum und wie viele Workshops werden im Durchschnitt dort veranstaltet?

Rickerts: Der Raum lässt sich mit einer Schulklasse noch sehr gut nutzen, also ca. 25-30 Personen. Es gibt pro Ausstellung ca. 3-4 verschiedene Workshopangebote, die Highlights sind u.a. der Künstlerworkshop und Workshops in Kooperation mit anderen Institutionen. So bieten wir im Februar nächstes Jahr „Meine Farbe für die Stadt“ während der jet-TAGE an.

Kunstpalais Blog: Welche Aktivitäten außer der Kunstvermittlung finden in dem Raum noch statt?

Rickerts: In den Umbaupausen der Ausstellungen wird er für die Ausstellungsvorbereitung genutzt. Außerdem finden hier Arbeitstreffen und Gruppenbesprechungen statt. Seit der Ausstellung von Eckart Hahn bieten wir auch die Möglichkeit an, Kindergeburtstage im Kunstpalais zu feiern. Die Geburtstagsgäste erhalten eine Führung durch die Ausstellung und können anschließend ihre Eindrücke kreativ in einem praktischen Workshop umsetzen. Selbstverständlich bleibt noch ausreichend Zeit für die Feier an sich.

Landschaften aus Knetmasse

Kneten, Schmelzen und Zerfließen. Unter diesem Motto stand der Knetfigurenworkshop des Kunstpalais am 08. November. Die Stimmungen von Eckart Hahns Bildern und Skulpturen dienten als Anregung, selbst künstlerisch tätig zu werden. Zwei Grundschulklassen der Grundschule Höchstadt Süd unter Anleitung von Larissa Kopp aus dem Kunstvermittlungsteam verbrachten einen Nachmittag damit, sich durch die Ausstellung führen und davon inspirieren zu lassen. Aus Knetmasse erschufen die Kinder Landschaften und entwarfen dafür eine eigene kleine, dreidimensionale Bühne. Die wirklich sehenswerten Ergebnisse wurden am Ende fotografisch festgehalten, so dass die Miniaturlandschaften plötzlich riesengroß erschienen. Seht selbst!

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