Neuerwerbung für die Sammlung: Eckart Hahn „Bondage“

Eckart Hahn: Bondage, Tusche auf Bütten, 2012, 81 x 117cm, Städtische Sammlung Erlangen

Es liegt noch nicht weit zurück, im Herbst 2011, da faszinierte der Künstler Eckart Hahn mit seiner bislang größten Einzelausstellung „Der schwarze Duft der Schönheit“ das Kunstpalais Erlangen und seine Besucher. Hinterlassen hat er dabei nicht nur ein begeistertes Publikum und einen umfangreichen Ausstellungskatalog, sondern auch ein kostbares Stück zeitgenössischer Kunst: Mit dem Erwerb von Hahns großformatiger Grafik „Bondage“ in diesem Jahr konnte dem Bestand der Städtischen Sammlung Erlangen ein weiterer Höhepunkt hinzugefügt werden.

Die Städtische Sammlung Erlangen

Die Sammlung, die über 4500 bedeutende Grafiken, Multiples, Künstlerbücher und Mappenwerke umfasst, spiegelt wesentliche Strömungen internationaler Kunst nach 1945 wieder. Neben Werken von Joseph Beuys und Georg Baselitz gibt es nun also auch einen „Hahn“ zu bestaunen – und was für einen: Bekannt für seine surrealen und bühnenhaften Szenen, sind es Menschen, Objekte, Tiere und Landschaften, die Hahn in seinen Bildern zum Märchenhaften, Komischen, Grotesken und Absurden verfremdet. Traum und Alptraum, Rationalität und Irrationalität gehen dabei Hand in Hand.

„Bondage“ – Fesselung, oder: Wer wird da von wem geknebelt?

Wie so oft, sind es auch bei der sorgfältig inszenierten Schwarz-Weiß-Grafik „Bondage“ Tiere, die als Akteure auf die Bühne treten. An die Perfektion des englischen Tiermalers George Stubbs erinnernd, präsentiert sich im Bildzentrum ein Pferd im Profil, wie aus dem Lehrbuch der Anatomie und vor unbestimmtem Hintergrund. Stolz und erhaben, den Kopf gereckt, die Nüstern weit offen, die Ohren gespitzt, den Körper gespannt – und dennoch: mehrfach von einem Seil umschlungen, wird das Tier gleich fünffach von einer Schar Raben geplagt, die sich in den Bändern am ganzen Pferdekörper verfangen haben.

Ob nun als blonder Rabe (BLONDIE 2009), als in Milch badender Rabe (MILCH 2009) oder  – in Anlehnung an die Bremer Stadtmusikanten – auf dem Buckel von Katze und Hund (TALE 2011), die Raben sind ein wiederkehrendes und vielfältig variiertes Motiv in Hahns Werken. Ihrem schlechten Ruf als Hexentier und Galgenvogel werden sie in diesem Bild aber nur bedingt gerecht, schließlich geht das Böse hier offensichtlich nicht von ihnen aus. Im Gegenteil: Die Unglücksraben sind in den Fesseln gefangen und es bleibt ein Rätsel, wer oder was sie in diese missliche Lage gebracht haben könnte. Auch scheinen sie sich der Fesselung zu widersetzen – anfangs noch mit großem Flügelschlag, schließlich erschöpft, hoffnungslos, im tiefen Fall begriffen, am Ende sogar erhängt. Ihr Widerstand ist gebrochen und sie prallen ab an der fast bedrohlichen Kraft und Eleganz des Pferdes, das einen finsteren Schatten wirft. Oder liegt etwa auch Angst und Unruhe in den Augen des Pferdes? Gut und Böse? Macht und Ohnmacht? Nur schwer zu trennen.

So unausweichlich aneinander gefesselt, bietet sich die Darstellung als Metapher von Freiheit und Befreiung an. In jedem Fall ist es ein schaurig-schönes und undurchsichtiges Schauspiel, das der Betrachter bei „Bondage“ geboten bekommt, und in dieser Mehrdeutigkeit liegt sein Reiz.

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