ErA50 – Visionen für Erlangen

Dieser Traum wurde schon oft geträumt, aber ausgeträumt ist er deshalb noch lange nicht: der Wunsch nach einer „grünen“ Stadt, die ihren Bewohnern optimale Lebensbedingungen bereithält. Kurze Wege und angemessene Rückzugsorte, ein attraktives Stadtbild und lebendige Kultur, die Vereinbarkeit von Arbeit und Leben, Nachhaltigkeit in allen Bereichen – seit jeher gab und gibt es vielfältige Ideen und Vorstellungen für eine lebenswerte Stadt der Zukunft. Und sie rücken angesichts der Trends unserer Zeit – der zunehmenden Verstädterung und dem fortschreitenden Klimawandel – wieder stärker in den Fokus der Stadtplanung.

Utopisch oder nicht,  auf der Suche nach Alternativen zum Ist-Zustand ist Quer- und Neudenken gefragt. „Traut Euch!“ will man da rufen, und tatsächlich waren dieser Aufforderung Studierende des Master-Studiengangs Architektur an der Ohm-Hochschule Nürnberg mit ihrer Teilnahme an dem Festival „Stadt.Geschichte.Zukunft“ nur zu gern gefolgt und haben sich Visionäres für die Stadt Erlangen im Jahr 2050 ausgedacht. Keine Frage, dass dieses Projekt unsere Unterstützung fand!

Der Stadtraum wird zum Ausstellungsraum

Unter dem Projektnamen „ErA50 – Erlangen Architektur 2050“ und der Fragestellung, wie die Stadt in 40 Jahren aussehen wird und das Leben in Zukunft sein soll, entstanden Entwürfe für sieben Orte in Erlangen. Präsentiert werden sie vom 23.07. bis zum 20.08.2012 auf großen Bauschildern, die direkt vor den ausgewählten Standorten in der Stadt aufgestellt sind (Siehe Stadtplan in der Bildergalerie unten!). Mit einem fiktiven Baubeginn für das Jahr 2050 datiert, erzielen sie die gewünschte Wirkung bei den Passanten: Verwundertes Staunen und jede Menge Fragen!

 Architektonische Szenarien für Erlangen im Jahre 2050

Im Kunstpalais Erlangen stellten die Studenten am Montag, den 23. Juli 2012, schließlich ihre seit März unter der Leitung von Prof. Dr. Richard Woditsch und Prof. Niels Jonkhans entwickelten Projektideen in Form von Architekturmodellen und unterstützt von Bilddokumentationen vor.

In den Eröffnungsreden wurden die innovative Kreativität der jungen Architekten und ihr Mut bewundert, den Fragen der Zukunft mit kühnen Konstruktionen und großen Dimensionen zu begegnen. Mutig sei das auch deshalb, weil ihre Wahl nicht auf periphere Orte Erlangens gefallen war, sondern auf zum Teil gerade erst renovierte, historische Plätze und repräsentative Gebäude mitten im Herzen der Stadt. Sie alle wurden, ganz selbstbewusst und provokant, neu gedacht und offensiv angegangen. Und auch wenn Sie auf diese Weise so manchen Erlanger erst einmal in helle Aufregung versetzen, wird doch bei näherer Betrachtung klar, dass die Ergebnisse weit mehr sind als Fantasiegebilde und Luftschlösser. Hier hat sich jemand was gedacht!

Im Hinblick auf Bevölkerungsstruktur, Bebauungsdichte, Mobilität, Energieversorgung und weitere gesellschaftliche und infrastrukturelle Schlüsselfragen, verfolgten die Studierenden zunächst die Spuren des Wandels, die sich im Laufe der Zeit unweigerlich in die gebauten Strukturen der Stadt eingeschrieben haben, bevor sie das Entwicklungspotential der gegenwärtigen Innenstadt unter die Lupe nahmen. Mit Rücksicht auf das Kyoto-Protokoll, flossen in die auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Entwürfe zudem energieeffiziente Maßnahmen und konsequente Ertragsrechnungen ein.

Von unterirdischen Schwimmbädern und schwebenden Landschaften

Wie erwartet und erwünscht, erregte das Projekt eine Menge öffentliche Aufmerksamkeit. Unter der Überschrift „Schwebende Gärten erobern Erlangen – Architektur-Visionen sorgen für Aufsehen in der Stadt“ berichteten die Erlanger Nachrichten über „ErA50“ und auch die Reaktion der Nürnberger Zeitung ließ nicht lange auf sich warten.

Die Entwürfe, und was dahinter steckt, hier in einem kurzen Überblick:

HoliX/2050Institut für Komplementärmedizin – Autoren: Harriet Konnerth und Cornelia Seefried – Ort: Palais Stutterheim Erlangen

Der Palais-Bau, heute Sitz des Kunstpalais´, bleibt bestehen und bekommt einen kolossalen, schwebenden Überbau, der mit Ausstellungsflächen, ayurvedisch heilender Gastronomie, Vorlesungsräumen und einem botanischen Garten sowie Außengärten für Heilpflanzen bespielt wird. Das Gebäude erlangt höchste Energieeffizienz durch ein ganzheitliches intelligentes Stromnetz, eine Photobioreaktorfassade, die Energie produziert und Sonnenschutz bietet, eine Mini-Biogasanlage für Biomüll, einen eigenen Wasserkreislauf für die Klimatisierung sowie Luft- und Wasserwärmepumpen als Energietauscher.

Fusion2050Schwebende Landschaft über den Bahngleisen – Autoren: Stefan Fertl und Lucas Ziegler – Ort: Bahnhof Erlangen

Die durch die Bahngleise erzeugte Zweiteilung der Stadt wird als starke Trennung und Isolierung der Innenstadt wahrgenommen. Die Lösung: Über den Gleisen wird eine Landschaft aufgespannt, die eine Verbindung schafft, zum Treffpunkt und zur grünen „Lounge“ mit Badesee wird, und dennoch als wichtiger Verkehrsknotenpunkt erhalten bleibt.

GreenBackUrbane Landwirtschaft – Autoren: Christopher Lehner und Orhan Tutav – Ort: Marktplatz Erlangen

Ein schonender Umgang mit natürlichen Ressourcen und die Regeneration bereits zerstörter Natur sind der Ausgangspunkt für die Idee des Anbaus von Lebensmittel in Gebäuden bzw. auf vertikalen Farmen. Damit Anbaufläche eingespart wird und der Transport von den Flächen zu den Städten entfällt, bekommt dieses Gebäude terrassierte Anbauflächen für die Bewohner  als „grüne Rücken“ (engl. Green Back) bereitgestellt.

HeliclineVertikale Orangerie – Autoren: Artur Krafft und Bartholomäus Zielenic – Ort: Orangerie im Schlosspark Erlangen

Das sich wie eine Wendeltreppe nach oben schraubende, bogenförmige Gebäude ist ein multifunktionales und energieautarkes Gebilde, in dem Arbeiten, Forschen und Wohnen unter einem Dach stattfinden. So schließen sich an die Wohneinheiten kultivierbare Gartenflächen an und der Gebäudekern fungiert als  Klimaregler. Highlight im wahrsten Sinne ist dabei der „Garten Eden“ auf dem Scheitelpunkt des Baus.

pool / Bewegung in der UnterweltUnterirdische Stadterweiterung – Autoren: Karin Hauner und Kerstin Kollmer – Ort: Marktplatz Erlangen

Bei diesem Entwurf gehen Verdichtung und freier öffentlicher Raum Hand in Hand. Der Entwurf kreiert eine neue „Unterwelt“ auf mehreren Ebenen. Unter der gläsernen Bodenfläche des Marktplatzes eröffnet sich eine großzügige Schwimmhalle, die durchzogen wird von der „Kulturrampe“ mit Museums- und Ausstellungsflächen und weiteren Rampen als unterirdische Verbindungen zu den Marktplatzgebäuden. Unterhalb des Schlosses befindet sich zudem ein neues Theater.

Hub.Er – Extreme Wohnverdichtung – Autoren: Fritz Hochreuther und Peter Nowak – Ort: Stadtmuseum Erlangen

Im Museumshof mit angelegter Wasserfläche entspringen die Zugangsstützen für den Hub.ER. Über diese Rampe wird der Neubau erschlossen – ein eigenständiger Wohnkörper sowohl für Singles als auch für Kleine- und Großfamilien, mit Photovoltaik-Flächen und Auffangflächen für Regenwasser. Das Projekt ist ein Versuch, den kommenden Bevölkerungszuwachs in Städten durch eine Verdichtung abzufangen.

Projekt49Vertikaler Energiepark – Autoren: Jonas Fleischmann und Ulrich Heiss – Ort: Burgberggarten Erlangen

Die Südflanke des Burgbergs soll zur Energie- und Nahrungsmittelversorgung Erlangens genutzt und mit Energietürmen bebaut werden, die durch modernste Anlagen Wind, Wasser und Sonnenergie gewinnen. Zudem gehören neuartig gestaffelte Ackerflächen des Vertical Farming zu diesem Energiepark und das Restaurant „SkyBean“.  Altbaumbestand und historische Kelleranlagen bleiben bestehen.

Ein Projekt in und für Erlangen

Es wurden Plätze und Gebäude für ErA50 ausgewählt, auf und in denen sich das tägliche Leben Erlangens abspielt und seine Spuren hinterlässt – Orte, die von den Einheimischen so manches Mal gar nicht mehr bewusst wahrgenommen werden. Das liegt in der Natur der Sache und kann durch gezielte Aktionen wie diese aufgebrochen werden.

Dann ziehen die Bauschilder die Aufmerksamkeit der Erlanger auf sich, sorgen für Begeisterung oder Ablehnung – und in eben jenem Moment der Auseinandersetzung kommt das Projekt in der Stadt und bei den Erlangern an, wird im Idealfall das Bewusstsein für nachhaltige Lebens- und Zukunftsplanung geschärft.

Von der Stadt der Zukunft darf also weiter „geträumt“ werden, besser noch: Beim Traum wird es nicht bleiben, denn dass es solche Bauprojekte im Jahre 2050 hier und dort auch wirklich geben wird, ist schon jetzt sehr wahrscheinlich.  Aktive Stadtgestaltung und kluge Köpfe werden dafür sorgen!

 Unsere ErA50-Bildergalerie:

Ebenfalls im Rahmen des Festivals „Stadt.Geschichte.Zukunft“ wurde das Schulprojekt „Architektur erleben – Zukunftswerkstätten zum Thema Architektur und Stadtplanung“ im Kunstpalais Erlangen verwirklicht.

Ein Kommentar Add yours

  1. waldemar schwein sagt:

    nett…

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