Im Atelier von Benedikt Hipp

Letzte Woche Dienstag haben wir uns ein ziemlich flottes Auto aus dem Fahrzeugpool der Stadtverwaltung Erlangen ausgeliehen, und zwar das mit dem eindrucksvollen Stadtwappen auf den Wagentüren. Damit sind wir nach München gebraust – ins Atelier des Künstlers, den wir ab dem 21. September im Kunstpalais ausstellen werden: Benedikt Hipp. Das Schicksal war uns wohl gesonnen: die Straßen waren trotz der beginnenden Sommerferien frei – und ausnahmsweise stand auch nirgendwo ein Blitzer am Straßenrand.

Zu Besuch bei einem Spurenfinder

Wir waren beflügelt, denn Benedikt Hipp zu besuchen ist mindestens so spannend wie die Lektüre eines Kriminalromans. In seinem Atelier gibt immer wieder Neues zu entdecken und zu bestaunen. Damit meinen wir nicht nur die Kunst, also die natürlich und vor allem auch, aber wir meinen damit ebenso die wundersamen Fundstücke, auf die der Künstler einmal wieder gestoßen ist. Denn Benedikt Hipp hat ein Händchen für die Abenteuer des Lebens. Er ist ein Spurenfinder. Kauft er irgendwo einen alten Tisch oder Schrank, so findet er darin ein Geheimfach, alte Briefe, Zeitungsausschnitte oder eine Gesangbuchsammlung, in einem alten Bauernhaus stößt er im Keller auf eine große Ansammlung von alten geschmiedeten Eisenketten, Ölkanistern, gusseisernen Kannen und Ähnlichem. In einer alten Scheune entdeckte er einen Ort, an dem sich verschiedene Tiere zum Sterben niedergelegt hatten. Mumifizierte Kadaver hat er dort rausgeholt, zwei vertrocknete Ratten liegen jetzt in trauter Zweisamkeit in einem Käfig in seinem Atelier. All diese Fundstücke erzählen von einem Leben, das es nicht mehr gibt, von dem nur noch Spuren übrig geblieben sind. Hipp greift diese losen Fäden der vergessenen (Lebens-)Geschichten auf und erzählt sie in seiner Kunst weiter: Mystische Gestalten und magische Orte prägen seine Bilder und Skulpturen. Jedes Detail ist hier eine Anspielung. Überall finden sich bruchstückhafte Hinweise, die vom Betrachter unweigerlich zu einer geheimnisvollen Geschichte ergänzt werden können.

Der Künstler und seine Pläne für das Kunstpalais

Und damit auch keiner den Faden verliert – und in der Hippschen Erzählung bleibt, schafft der Künstler zu seinen Bildern und Skulpturen auch ganz eigene Räume. In diesen gibt es keinen Alltag mehr – sondern nur noch Entdeckungen. Und so stehen wir in diesem Atelier mit all diesen merkwürdigen Fundstücken, die der Künstler zu noch merkwürdigeren Objekten verbindet und hören Werktitel wie „In der folgenden Betrachtung wird vorausgesetzt, der Körper sei eindimensional“, „dünner Schall mit Schatten“, „Erfassung des Ist-Zustands“ oder „Rauch auf Land ab“. Wir lauschen dem Plan des Künstlers, die Besucher der Ausstellung „Luxstätt“ durch einen Schrank in eine andere Welt klettern zu lassen – und erfahren, dass der Meeresgrund ebenso eine Rolle spielen wird wie der „Hexenflug“, den Goya Ende des 18. Jahrhunderts malte.

Auch das art Magazin schaut vorbei

Wir sind begeistert und voller Eindrücke, als plötzlich mein Handy klingelt. Es ist Cornelia Gockel, Redakteurin des art Magazins. Sie möchte über die Ausstellung schreiben, es sei dringend, ob man sich nicht schnellstmöglich treffen könnte? Was für ein Zufall! Ich lade sie ein vorbeizuschauen, da wir alle gerade da sind. Prompt steigt sie ins Auto – eine halbe Stunde später ist sie da. Auch sie schaut und staunt … über eine Stunde lang. Nun müsse sie doch mal nach Erlangen kommen, sagt sie lachend, als sie sich verabschiedet. Dem können wir nur zustimmen.

Als auch wir wieder ins Auto steigen, lassen wir das Erlebte noch einmal vorüberziehen. Das wird eine genial-verrückte Ausstellung! Immer wieder gehen wir die Geschichten durch, die wir gehört haben – und die neuen, noch nicht vollendeten, aber jetzt schon vielversprechenden Bilder und Zeichnungen, die wir gesehen haben – und wandern im Geiste durch das Abenteuer dieser Kunst, die wir im Kunstpalais zeigen werden, während wir ganz langsam in dem flotten Auto mit dem Erlanger Stadtwappen an den Türen nach Hause fahren.

Dr. Claudia Emmert (Leiterin Kunstpalais)

Atelier-Impressionen:

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