Knetfiguren in Aktion!

Ein Erfahrungsbericht zum Workshop „Knetfiguren in Aktion“ von Mariella Hosp

Warme Sonnenstrahlen suchen sich an diesem Augusttag ihren Weg durch das dichte Blätterwerk der Bäume im Burgberggarten. Auf dem Kiesweg tanzen die  grün-blau-schwarzen Schatten. Vögel zwitschern.  Die ein oder andere Biene summt von einer Blüte zur nächsten. Inmitten des saftigen Grüns ragt ein bronzener Arm in die Höhe und eine seltsam gekrümmte Gestalt gleitet in ihrem Blätterboot vorbei. Welch wundersame menschenähnliche Gestalten haben sich hier in dieser grünen Idylle angesiedelt? Es gibt einiges zu entdecken!

„Schaut! Die Beiden dort unten winken uns zu!“, „Vielleicht unterhalten sie sich auch miteinander.“, „Von hier oben sehen alle viel kleiner aus!“. Neugierig und fasziniert rufen die Kinder ihre Eindrücke durcheinander. Die kleinen Entdecker sind eine Gruppe des Horts Sonnenblume aus Erlangen und besuchen an diesem Nachmittag gemeinsam den Heinrich-Kirchner-Skulpturengarten.

Nach einem kurzen Anstieg sind sie am höchsten Punkt des Burgberggartens angekommen und überblicken nun die gesamte Anlage. Von hier oben eröffnet sich nicht nur eine wunderbare Aussicht über die Dächer Erlangens, auch die bisher gesehenen Plastiken lassen sich ausgezeichnet Revue passieren. Mit großer Begeisterung geben die Kinder ihre Eindrücke wieder, die sie während des halbstündigen Rundgangs durch den Garten gewonnen haben.  Einige versuchen, die Posen der Figuren nachzustellen. Es wird getastet, gefühlt und geklopft, um dem Material und dem Kern der riesenhaften Wesen auf die Spur zu kommen. Große Kinderaugen staunen, als sie erfahren wie aufwändig und langwierig die Herstellung der schweren Bronzeplastiken ist. Viel Fantasie bringen die kleinen Besucherinnen und Besucher auch mit, wenn es darum geht, den Geschichten der metallischen Gartenbewohner während des Spaziergangs auf den Grund zu gehen. Was haben sie während der 30 Jahre im Burgberggarten alles erlebt? Woher kommen sie? Wohin gehen sie? Unterhalten sie sich miteinander?

Nach einem letzten Blick über die Stadt folgt der Abstieg, der die Gruppe vom ehemaligen Nutzgarten in den parkähnlich angelegten Teil des Gartens führt. An einer kleinen Lichtung entdecken die Kinder eine sitzende Frauenfigur. Sie ist die älteste Skulptur Heinrich Kirchners im Garten und gleichzeitig die letzte Station des Rundgangs. Anders als die vorher betrachteten Plastiken hat sie menschlichere, realistischere Züge. Ihre weichen Formen unterscheiden sich deutlich von den späteren, abstrakter gestalteten und auf einfache Formen beschränkten Bronzen. Die Kinder staunen, als sie erkennen, wie sehr sich der Stil und die Arbeitsweise des Bildhauers im Laufe seines Lebens verändert hat. „Die Frau gefällt mir am besten, weil sie so echt aussieht“ stellt eins der Mädchen fest.  Ein anderes Kind widerspricht: „Die anderen Skulpturen sind auch schön. Sie sehen einfach anders aus. Es sind ja auch nicht alle Menschen gleich.“

Die Neugierde der Kinder wird geweckt, als sie im Gras der Wegböschung eine kleine Knetfigur entdecken, die wie eine der Kirchnerplastiken mit hochgerecktem Arm zum Himmel blickt. Die Begeisterung ist groß, als sie erfahren, dass sie nun eigene Knetfiguren entwerfen dürfen. Mit viel Fantasie lassen sie ihren eigenen kleinen Skulpturengarten entstehen, in dem sich Wanderer, Skiläufer, sitzende Figuren und sogar kleine Knettiere ansiedeln. Zur Erinnerung werden die kunstvollen, bunten Arbeiten in Fotos festgehalten, von denen einige hier zu sehen sind. Mit vielen neuen Eindrücken geht der Workshop schließlich zu Ende. Das Interesse und die Neugierde der Kinder ist geweckt. Dass der Burgberggarten so spannend sein kann, hätten sie zu Anfang nicht gedacht. Sie wollen auf jeden Fall wieder kommen. Bestimmt gibt es beim nächsten Mal wieder so viel zu entdecken!

Zur Person: Mariella Hosp B.A., ist Kunsthistorikerin und derzeit freie Mitarbeiterin des Kunstpalais Erlangen.

 

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