Zum Abschied ein Appell

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Damals
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Heute

Liebe Freundinnen und Freunde des Kunstpalais,

nach fünfeinhalb Jahren intensiver Arbeit für das Kunstpalais verabschiede ich mich von Ihnen – und danke Ihnen von Herzen für Ihr Interesse und Ihre Neugier, Ihre Unterstützung und Ihre Treue.

In diesen fünfeinhalb Jahren ist viel geschehen. Aus der Städtischen Galerie wurde das Kunstpalais – aus dem Kunstpalais eine international geschätzte Marke und ein viel beachteter Ort für den Diskurs über zeitgenössische Kunst.

Wir haben weltweit renommierte Künstler nach Erlangen geholt: Ai Weiwei, Christian Jankowski, Mona Hatoum, Jenny Holzer, Tobias Rehberger, Bill Viola, Erwin Wurm, um nur sehr wenige zu nennen. Hierbei wurden wir von den größten und bedeutendsten Galerien der Welt in New York, London, Köln und Berlin unterstützt. Denn wir haben mit unseren Ausstellungen gesellschaftlich relevante Themen diskutiert, es ging beispielsweise um Glück, Ironie, Töten, Freiheit und Affekte. Das hat Künstler und Galeristen, Sammler und Leihgeber sowie die Berater der größten Stiftungen unseres Landes überzeugt.

Wir haben aber auch aufstrebenden jungen Künstlern die erste Einzelausstellung in Deutschland ermöglicht, zum Beispiel der Französin Mathilde Rosier, der Dänin Kirstine Roepstorff und dem Münchener Künstler Benedikt Hipp.

Wir haben die Themen der Kunst in einen interdisziplinären Diskurs gestellt, unterstützt und bereichert vor allem durch die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Dafür bin ich den zahlreichen Fachbereichen und Instituten sehr dankbar. Wir haben im Begleitprogramm zu unseren Ausstellungen auch regelmäßig und intensiv mit verschiedenen Bildungs- und Kultureinrichtungen der Stadt kooperiert. Mein Dank gilt in diesem Zusammenhang der Jugendkunstschule, dem Stadtarchiv Erlangen, dem Theater Erlangen, dem Arena Festival, dem Erlanger Poetenfest, der Studiobühne, der Stadtbibliothek, der vhs, dem dfi Deutsch-Französisches Institut Erlangen, dem gVe Gemeinnütziger Verein Erlangen, dem E-Werk Kino, dem Manhattan Kino, den Lamm Lichtspielen, der Einrichtung BildungEvangelisch und dem Uniradio Unimax.

Ich danke den vielen Schulen und Horten, die im Kunstpalais einen Partner für ihre Bildungsarbeit gesehen haben: der Jakob-Herz-Schule, Staatliche Schule für Kranke, der Realschule am Europakanal, dem Ohm-Gymnasium – und vielen anderen mehr. Wir haben spezielle Veranstaltungen in einfacher Sprache für Menschen mit Migrationshintergrund angeboten, in Kooperation mit WI.L.D. (Wir lernen Deutsch) oder mit dem vhs Club International. Ich selbst habe mit Begeisterung Gesprächsführungen mit Demenzkranken und ihren Familien sowie mit ehemals drogenabhängigen oder depressiven Jugendlichen durchgeführt. Diese Veranstaltungen waren für mich persönlich immer eine besondere Bereicherung.

Ich danke meinem hervorragenden Team, ohne dessen inspirierende und kreative Mitarbeit dies alles gar nicht möglich gewesen wäre: Ian Genocchi, Ina Neddermeyer, Jessica Ullrich, Ilse Wittmann, Sarah Lampe. Ich danke unseren FSJlern Patrick Wüst und Stefanie Krebs, den zahlreichen Praktikanten, unseren Aufsichten und den engagierten Kunstvermittlern, die uns in den letzten Jahren unterstützt haben.

Und ich danke meinem Chef, dem Leiter des Kultur- und Freizeitamts, Dr. Herbert Kurz, der das Kunstpalais auf diesem Weg stets mit Engagement und viel Herzblut unterstützt hat und ohne den es die professionelle Personalstruktur des Kunstpalais mit Kunstvermittlung, Sammlungskurator, Volontariat und FSJ (Freiwilliges Soziales Jahr) Kultur nicht geben würde.

Vier aufwändige Ausstellungen im Jahr zu realisieren, begleitet von einem umfangreichen Diskurs- und Bildungsprogramm, kostet Geld, deutlich mehr Geld, als uns die Stadtverwaltung zur Verfügung gestellt hat. Daher waren wir auf Einnahmen und finanzielle Unterstützung angewiesen. Wir haben einen Museumsshop eingerichtet und selbst unterhalten, so dass alle Einnahmen in unser Programm fließen konnten. Über Eintritte und Verkäufe haben wir unser Budget jährlich um 20.000 Euro steigern können. Doch das hat natürlich nicht gereicht. Daher danke ich allen voran der Kulturstiftung des Bundes und dem Kulturfonds Bayern, die uns in den vergangenen Jahren immer wieder mit maßgeblichen Beträgen unterstützt und so das hohe Niveau unseres Ausstellungsprogramms gesichert haben. Außerdem danke ich der Sparkasse Erlangen, der Areva Stiftung, der Kulturstiftung Erlangen und der Museobilbox für ihre wiederholten Unterstützungen. Last but not least danke ich dem Münchener Unternehmen WTS dafür, dass es das Kunstpalais bereits in diesem Jahr gesponsert hat – und unserem Haus auch in Zukunft als finanzieller Partner erhalten bleibt.

Von der Zukunft des Kunstpalais haben Teile der Kommunalverwaltung der Stadt Erlangen künftig andere Vorstellungen. „Auch Kultur ist Verwaltung“, heißt es dort, doch hören Sie selbst:

http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/kulturwelt/zur-zukunft-des-kunstpalais-in-erlangen-100.html

„Kultur ist der Spielraum der Freiheit“, möchte ich mit Dietrich Bonhoeffer antworten. Kultur ist ein Möglichkeitsraum, den wir frei halten müssen – vor allem frei von den Gesetzmäßigkeiten der Verwaltung.

Daher möchte ich mich mit einem Appell an Sie, liebe Erlangerinnen und Erlanger, verabschieden: Haben Sie ein wachsames Auge auf die Zukunft des Kunstpalais und lassen Sie sich bitte nicht nehmen, was hier in einem fünfjährigen Kraftakt für Sie entstanden ist:

ein Möglichkeitsraum für die Wahrnehmung international bedeutsamer Positionen der Kunst, ein Möglichkeitsraum für den bereichernden Diskurs über unsere Gesellschaft, ein Möglichkeitsraum für die Disziplinen und Landesgrenzen überschreitende Perspektive auf unsere Zeit – ein Möglichkeitsraum, der nicht nur bundesweit bekannt ist unter dem so eingängigen und zu Erlangen passenden Namen:

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Herzliche Grüße

Ihre Claudia Emmert

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