E-Gitarren, Pappkartons und Kunst – Dimensionen des öffentlichen und privaten Sammelns

Podiumsdiskussion zum Thema "Sammler und Sammlungen hautnah" am Freitag, den 29.08.2014
Podiumsdiskussion „Sammler und Sammlungen hautnah“

 

Wie entstehen Sammlungen? Warum wird gesammelt? Wie unterscheiden sich private und öffentliche Sammlungen?

Um diese Fragen zu klären, veranstaltete das Kunstpalais eine Podiumsdiskussion mit dem Titel “Sammler und Sammlungen hautnah”. Anlässlich der ersten Ausstellung der Städtischen Sammlung Erlangen im Kunstpalais mit dem Titel RE: COLLECT war neben den Sammlungsleitern zweier öffentlicher Sammlungen auch ein privater Sammler zur Diskussion eingeladen. Informativ und unterhaltsam erhielten die Zuhörer einen Einblick in die Eigenheiten und konzeptionellen Besonderheiten der Sammlungen und die Unterschiede zwischen privater Sammellust und öffentlichem Sammelauftrag.

Das Podium moderierte Udo Andraschke, Kustos der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Nach einer kurzen Einführung in die umfangreichen und wissenschaftlich hochinteressanten Sammlungen der Universität wandte er sich der „Kunst des Sammelns“ zu und diskutierte mit den Podiumsteilnehmern die spezifische Ausrichtung und Konzeption ihrer verschiedenen Sammlungen.

Helmut Kirsch, Künstler aus Nürnberg, erzählte nicht nur von seiner Leidenschaft für die Kunst sondern auch für das Sammeln. Besonders interessant sind für ihn eher ungewöhnliche Gegenstände, unter anderem E-Gitarren, Pappkartons und Tomatensamen. Diese Objekte erwirbt er aber nicht rein um des Sammelns willen, vielmehr bilden sie den Ausgangspunkt seiner Kunst. Die Assoziationen, die beispielsweise entfaltete Kartons wecken, inspirieren Kirsch auf unkonventionelle Weise zu neuen Projekten. Ebenso regen ihn die Gitarren durch ihre spezifische Form und individuelle Gestaltung zur Komposition neuer Musikstücke an. Zwei dieser Songs durfte das Publikum an diesem Abend hören und war im Anschluss gefragt zu erraten, welches Musikstück auf welcher der mitgebrachten Gitarre komponiert wurde. Auf diese Weise wird bei Helmut Kirsch die eigene Sammlung zum Ideenlager für zukünftige Projekte.

 

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Helmut Kirsch präsentiert zwei seiner E-Gitarren

Welche besondere Herausforderung öffentliche Sammlungen vor allem in Bezug auf geringe Ankaufsbudgets haben, erläuterte Dr. Thomas Heyden, Leiter der Sammlungen Kunst und Design des Neuen Museums in Nürnberg. Den Grundstock der Sammlung Kunst bildet die seit 1967 zusammengetragene Sammlung internationaler zeitgenössischer Kunst der Stadt Nürnberg, die durch private Stiftungen und Leihgaben sowie umfangreiche Neuerwerbungen erweitert wurde, sodass sie heute etwa 4500 Werke umfasst.

Problematisch für die Zukunft der Sammlung ist das relativ geringe jährliche Ankaufsbudget, das seit den Anfängen des Hauses beständig gesunken ist. Dies bedauerte Dr. Thomas Heyden während der Podiumsdiskussion vor allem mit Blick auf den öffentlichen Sammlungsauftrag. Sammlungen sind seiner Meinung nach dafür da, dem Besucher Erkenntnis zu bieten und somit möglichst umfangreiche Erfahrungen zu ermöglichen. Inwiefern diese Aufgabe mit geringen finanziellen Mitteln auch zukünftig adäquat erfüllt werden kann, ist eine berechtigte Frage. Erfreulicherweise profitiert das Neue Museum vom Einsatz der Museumsinitiative Freunde und Förderer des Neuen Museums e. V., die zahlreiche Ankäufe ermöglicht haben. Ebenso ist es durch Schenkungen oder Dauerleihgaben möglich, nicht in der Sammlung vorhandene Werke und Künstler der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Auch Erlangen besitzt eine umfangreiche Städtische Sammlung, wie die Sammlungskuratorin Ina Neddermeyer erläuterte. Die Sammlung umfasst wie die des Neuen Museums ca. 4500 Werke und besteht ebenfalls seit den 1960er Jahren. Trotz des auch hier geringen Ankaufsbudgets konnten in den letzten Jahren wichtige Werke international bedeutender Künstler erworben werden. Ergänzt durch hochkarätige Schenkungen spiegelt die Städtische Sammlung die Vielfalt zeitgenössischer Grafik wieder.

Das besondere Augenmerk des Kunstpalais liegt auf der Verknüpfung von Sammlung und Ausstellung. „Eine Sammlung ist der lebendige Kern eines Museums“, wie Dr. Thomas Heyden in Bezug auf das Neue Museum anmerkte. Ina Neddermeyer griff dieses Gedanken auf und betonte ihre Aufgaben als Sammlungsleiterin: Sammeln und Bewahren auf der einen Seite, aber auch Ausstellen und der Öffentlichkeit zugänglich machen auf der anderen Seite. Durch den großen Umfang der Städtischen Sammlung ist dies für das Kunstpalais keine leichte Aufgabe. Um Interessierten aber möglichst barrierefrei den Zugang zu den Werken der Sammlung zu gewähren, werden diese nicht nur in Ausstellungen und als Leihgaben für nationale und internationale Ausstellungsprojekte, sondern auch über die Internetseite des Kunstpalais zugänglich gemacht. Ein Besuch der Website lohnt sich für Kunstinteressierte also auf jeden Fall.

Im Anschluss an die Podiumsrunde standen die Sammler und Sammlungsleiter dem Publikum Frage und Antwort. So konnte unter anderem geklärt werden, wie viele Objekte Helmut Kirch in seiner Sammlung hat, wie Kooperationen mit privaten Sammlern realisiert werden, welche Schwierigkeiten raumgreifende Installationen in Depoträumen bereiten und welche Wünsche die Sammlungsleiter für zukünftige Ankäufe haben.

Die Podiumsdiskussion war eine spannende und unterhaltsame Einführung in die Welt des Sammelns und der Sammlungen. Besonders informativ waren die zahlreichen Hintergrundinformationen der Experten, die einen Blick hinter die Kulissen der Sammlungen ermöglichten.

 

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