Pecha Kucha Vol. 32 – Wenn die Kunst die Koffer packt

von Malte Kröger

Letzten Samstag waren wir eingeladen zur 32. Pecha Kucha Nacht im E-Werk. In jederlei Hinsicht eine Premiere für mich, der ich das Kunstpalais vertreten durfte. Denn, um es zuzugeben, Pecha Kucha musste ich erstmal googlen. Für alle, denen es dabei ähnlich gehen sollte: Der Begriff ist aus dem Japanischen entlehnt und steht lautmalerisch für das Sprechen vieler Menschen.

Pecha Kucha ist ein Vortragsformat – aber eines, das es in sich hat. Jede*r Vortragende ist in ihrer oder seiner Präsentation auf 20 Folien a 20 Sekunden beschränkt. In 6:40 min. ist die Show also schon vorbei, weshalb es gelingen muss, das Wichtigste kurz und prägnant rüberzubringen. Quasi eine eingebaute Anti-Langeweile-Garantie und ein wahrer Motor für die Kreativität.

Um die Herausforderung noch ein wenig zu erhöhen, war zusätzlich ein Thema vorgegeben: Reisen. Wer in puncto Kunstpalais am allermeisten auf Reisen geht, stand für uns relativ schnell fest, nämlich die Kunstwerke selbst, die Ausstellung für Ausstellung Station bei uns machen.

Also ging ich auf Beutezug in unserem Bildarchiv…

IMG_1172_klein
Foto: Gerhard Tillmann

Unser wunderschönes Haus am Marktplatz, das wir uns mit der Stadtbibliothek teilen, kennt ihr, klar. Drei bis vier Mal im Jahr ist es allerdings nicht so ruhig wie hier im Bild, wenn wir nämlich unsere Ausstellung ab- bzw. aufbauen. Gewissermaßen sind wir dabei sowas wie ein Hotel für die Kunst und kümmern uns um die An- und Abreise der Werke.

IMG_20160705_192626

Zeitgenössische Kunst ist ständig in Bewegung. Museen, Galerien und Sammlungen verleihen ihre Werke an andere Häuser und so werden diese ständig neu verpackt und verschickt. Nicht immer kommen sie in so grandiosen Koffern wie denen des Künstlers Johannes Vogl zu uns. Große Vorfreude vor dem Auspacken herrscht aber jedes Mal. Was sich hier drin befand, wird am Schluss verraten.

EG_floorplan

Bevor es zum Aufbau kommt, muss natürlich erst festgelegt werden, welcher Gast in welches Zimmer zieht. Hier hat jedes Kunstwerk so seine eigenen Bedürfnisse. Siebdrucke und Gemälde vertragen beispielweise nicht so viel Licht, während Videoarbeiten und Soundinstallationen eine ruhige Umgebung benötigen.

Amely

Sind alle Räume vergeben, geht es ans Betten machen – das heißt in unserem Fall Kabel und Lampen installieren, Wände frisch anstreichen (nicht selten bunt) und auch mal die eine odere andere neue Bank bauen.

Ausstellung im Kunstpalais: Vernissage "Böse Clowns_reloaded"
Foto: Harald Sippel

Ist alles gehängt, gestellt und eingeschaltet, kann die Ausstellung eröffnet werden. Von einem Stück, wie dem geköpften Ronald McDonald des Künstlers Jani Leinonen in unserer Ausstellung Böse Clowns_reloaded möchte man sich dann kaum wieder trennen.

IMG_20160705_103832

Als wir ihn dennoch wieder auf die Reise schicken mussten, haben wir ihm alles Notwendige mit auf den Weg gegeben. Neben viel Luftpolsterfolie waren das vor allem eine Liste mit allen zu ihm gehörenden Einzelteilen, ein Zustandsprotokoll und ein Adresslabel, damit er auch wieder nach Hause findet. Ähnlich wie Menschen reisen Kunstwerke mit sehr viel Papierkram umher.

Blog18_Ausstellung_20160923_3294
Foto: Harald Sippel

Bei Videos und anderen technischen Installationen gilt grundsätzlich: Wenn es ganz simpel aussieht, steckt der Teufel meist im Detail. Bei dieser Videoarbeit der Künstlerin Candice Breitz sprechen eineiige Zwillinge und Drillinge auf je einem eigenen Bildschirm abwechselnd über ihr Leben. Damit das reibungslos funktioniert…

Bild1

…wird im Hintergrund jede Menge Technik benötigt. Gefühlte zehn Kilometer Kabel verliefen durch unseren Ausstellungsraum und synchronisierten die Videos miteinander. Hier fiel die „Gästebetreuung“ natürlich ein wenig intensiver aus.

Bild2

Vor lauter Kunstwerken sollten wir natürlich unsere Gäste aus Fleisch und Blut nicht vergessen, ohne die es keine Ausstellungen gäbe. Die Künstlerinnen und Künstler, die zu uns kommen, sorgen dafür, dass kein Aufbau ist wie der andere. Juergen Teller zum Beispiel blieb auch beim Hängen seiner Fotos jederzeit in seinem Element.

Bild3

Abner Preis, der hier wild um sich hackt, war nicht etwa unzufrieden mit seiner Unterbringung, sondern führt gerade seine Performance für Böse Clowns_reloaded durch, die – auf Video festgehalten – auch in der Ausstellung gezeigt wurde.

Presse_LF6A0332
Foto: Lilly Urbat

Künstlerinnen und Künstler sind selbst häufig weit gereiste Menschen. In das, was sie zu uns mitbringen, fließt also jede Menge an Erfahrungen und Ideen ein, die wir an euch weitergeben möchten. Idealerweise bleibt dann etwas haften in Erlangen, wie etwa bei Johannes Paul Raethers lecture performance zur Ausstellung Dicker als Wasser.

SAM_3544_klein

Kunst lebt nicht zuletzt von der Vermittlung. Workshops, Führungen und Kunstgespräche können wir also nur empfehlen – ganz gleich für welches Alter oder in welcher Sprache.

Bild4

Das alles ist natürlich nicht ohne Büroarbeit zu haben, denn bevor auch nur ein Bild die Reise antreten kann, bedarf es vieler Emails, Telefonate und ausgefüllter Dokumente. Das geht nicht ohne eine vernünftige Dosis Kaffee.

16112479_664187250435996_4180552760965154348_o

Und auch ein bisschen Muskelkraft ist gefragt, wenn es darum geht, die Ausstellungsräume fit zu bekommen und im Zweifelsfall noch eine Wand verschoben werden muss.

Kunstpalais Ausstellungseröffnung 16. Juli 2017
Foto: Erich Malter

Die brennende Laterne, die Johannes Vogl letztes Jahr mit uns auf dem Marktplatz aufgestellt hat, hatte übrigens eine besonders weite Reise hinter sich. Ursprünglich stammt sie aus Südamerika, wo der Künstler sie bei einem Aufenthalt erworben hat.

SAM_3528_klein

Für eine unserer aktuellen Ausstellungen hatten wir im Frühjahr ziemlich oft den DHL-Boten im Haus mit allerhand Päckchen und Paketen. Der Inhalt? Eine Weltkarte, Plastikpflanzen, Bürostühle…

Bild5

Dahinter steckte die venezolanische Künstlerin Sol Calero, die bekannt ist für ihre raumgreifenden Installationen, in denen sie ganze Saunen, Friseursalons oder Tanzstudios in die Ausstellungsräume bringt. Als hätte sie von der Pecha Kucha Nacht geahnt, plante sie für das Kunstpalais…

KReil_KP_Calero-4400
Foto: Kilian Reil

… ein funktionstüchtiges Reisebüro, in dem ihr noch bis September bei echten Reisebüromitarbeiterinnen euren nächsten Trip in die weite Welt buchen könnt!

small_JT_Kunstpalais_175
Foto: Kilian Reil

Der kurze Blick hinter die Kulissen hat euch hoffentlich gefallen. Ich würde mich freuen, euch bald auch bei uns im Haus begrüßen zu dürfen. Spätestens natürlich, wenn wir im Herbst unsere große Sammlungsausstellung Greatest Hits mit der nächsten Kunstpalais-Party eröffnen!

Kunstpalais Ausstellungseröffnung 16. Juli 2017
Foto: Erich Malter

Zum Schluss die Auflösung des Rätsels, was sich in Johannes Vogls Koffern befunden hat: Sein Kunstwerk Die Nacht ist ein kleiner mit Uhrwerk und Pendel versehener Projektor, der über eine rotierende Scheibe träumerisch einen kleinen Mond an der Wand auf- und untergehen lässt.

Meinen ersten Pecha Kucha Vortrag habe ich schließlich erfolgreich gemeistert und es hat mir riesigen Spaß bereitet. Vielen Dank an Nils Pickert für die Einladung und bis zum nächsten Mal!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s