We opened the doors for perception – Eröffnung „Altered States“

Das Kunstpalais öffnete am 3. März 2018 seine Pforten zur aktuellen Gruppenausstellung „Altered States. Substanzen in der zeitgenössischen Kunst“.

Anne Reimann, Leiterin des Kulturamts, eröffnete den Abend und stieg gleich in das Thema der Ausstellung ein. Sie skizzierte die Geschichte des Ketamins, das aus der Tiermedizin in die Partyszene wanderte, aber auch von der Weltgesundheitsorganisation in die Liste der unentbehrlichen Arzneimittel aufgenommen ist. Mittlerweile wird es in der medizinischen Forschung zur Bekämpfung von Depressionen getestet. Weiter ging es mit einem Toast von Amely Deiss, der Leiterin des Kunstpalais, auf die aktuelle Ausstellung und die zukünftigen Vorhaben des Hauses. Für alle Interessierten: Der Freundeskreis des Kunstpalais ist dabei, sich zu gründen. Milena Mercer, Kuratorin der Ausstellung und kommissarische Leiterin des Kunstpalais, führte in das Konzept und die Werke von „Altered States“ ein.

Nach den Ansprachen ist vor der Kunst. Bereits beim Betreten des Eingangsbereichs zeigt sich ein komplett umgestaltetes Kunstpalais – Wände sind aufgebrochen, verschoben und neu gesetzt worden, von den Wänden tropft Teer, der sich im Untergeschoss scheinbar in einem riesigen Becken sammelt. Für seine Interventionen griff der Künstler Marten Schech das Ausstellungsthema assoziativ auf. Wann waren alle Substanzen das letzte Mal in einem Arbeitsbereich zusammen? In der Alchemieküche – diese ist uns dann in Folge eines hochkonzentrierten Kunstcocktails im besten Sinne um die Ohren geflogen.

Die erste ruinöse Wand zeigt Fotografien, die Daniel García Andújar bei seinen Streifzügen über die illegalen Marktplätze des Darknets gefunden hat. Die Fülle der angebotenen Substanzen ist überwältigend. In Sidsel Meineche Hansens begehbarer Skulptur „Proud to be your own boss, proud to be busy“ ist das großartige Video „Seroquel“ zu sehen, das nachdenklich darüber macht, wie Erschöpfung, Antidepressiva und die gesellschaftlichen Erwartungen an uns und unsere Körper zusammenhängen. In Suzanne Treisters knallig-bunten Arbeiten zu „HFT The Gardener“ kann man sich verlieren und immer tiefer in die Geschichte eines mit psychedelischen Substanzen experimentierenden Brokers einsteigen.

Carsten Höllers „Pill Clock“ lässt alle sechs Sekunden eine Pille von der Decke fallen. Einige Menschen standen vor dem immer größer werdenden Pillenhaufen, um die so harmlos aussehende Substanz zu schlucken – sie ist doch harmlos, oder? Einige Mutige gingen zum Wasserspender, nahmen sich eine Pille und warteten auf deren Wirkung.

Weiter ging es zu Joachim Koesters Fotografien von der Abbey of Thelema auf Cefalú, Sizilien, die in den 1920er Jahren das Zuhause einer von Aleister Crowley gegründeten magisch-religiösen Gemeinschaft war. Im Barockraum konnte auf den blumigen Sofas gechillt und das found footage der Ausstellungsvorbereitung angeschaut werden.

Im Untergeschoss türmt sich ein riesiger schneeweißer Berg, bestehend aus siebeneinhalb Tonnen reinem Zucker, in dem ein Einkaufswagen steckt. Thomas Rentmeister stellt mit seiner ganz eigenen Streutechnik eine so perfekte Oberfläche her, dass sich alle fragten, ob es sich denn nicht um eine feste Plastik handelt. Damit war die Neugierde geweckt. Wie sich herausgestellte, ist es nicht nur schwierig, im Alltagsleben dem Zucker zu widerstehen, es stellt auch in der Ausstellungshalle eine Herausforderung dar. Einen Smiley und einen Handabdruck später musste die Arbeit schnell vom Künstler, der zum Glück anwesend war, wieder restauriert werden – wir t verzeihen den Schelmen, aber in Zukunft: Finger weg!

In unseren ohnehin leicht gruseligen Gewölben bleibt das Licht dieses Mal aus. Im „Estrofem Lab!“ von Mary Maggic werden die Hormone aus dem Urin des Kunstpalais-Teams und diverser Aufbauhelfer gefiltert, damit die Besucherinnen und Besucher diese über Masken wieder einatmen können. Daneben ist Cassils „Fast Twitch// Slow Twitch“ zu sehen, die fesselnde Dokumentation einer Bodybuilding-Performance! Im nächsten Raum wartet mit Rodney Grahams „Phonokinétoscope“ ein weiteres Highlight – bei der Musik wollten die meisten gar nicht mehr gehen. Der letzte Raum im Raum darf immer nur von einer Person betreten werden, denn Jeremy Shaws „Introduction to The Memory Personality“ sollte man auf sich alleine wirken lassen.

Danke an euch alle für den schönen Abend! Danke für die wilden Diskussionen über die Kunst und das Ausstellungskonzept, danke an das kompetente Bar-Team und unsere Live-Speaker und vielen Dank an die DJs von La ola electrónica, die uns bis tief in die Nacht mit feinsten Tanz-Beats versorgten!

 

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