Bescherung

Die letzte Ausstellung des Jahres ist eröffnet und gefällt auch uns selbst wahnsinnig gut, die Sektgläser der Vernissage am Samstag sind wieder gespült, die Anstrengungen des Aufbau-Endspurts schon ganz vergessen.  Wir nutzen den Moment der Ruhe, um die erste Adventskerze für Euch zu zünden!

Dieses Jahr brechen wir erstmal ein wenig mit der Kunstpalais-Adventskerzen-Tradition, denn statt einer Vorschau auf das Ausstellungsprogramm im nächsten Jahr fangen wir mit einem Rückblick auf die vergangenen zwölf Monate an – vor allem auf die Bescherungen! Neben den vielen tollen KünstlerInnen, mit denen wir dieses Jahr gearbeitet haben, hat auch unser Team einige Neuzugänge bekommen, die sofort Teil der Kunstpalais-Familie wurden. Doch es gab nicht nur im Büro und in den Ausstellungsräumen Neuigkeiten, auch unser Depot wurde dieses Jahr ordentlich bereichert!

Dazu muss man ein wenig ausholen: Seit den Siebzigerjahren sammeln wir in Erlangen zeitgenössische Kunst, und ein Teil der Schätze der Städtischen Sammlung wurde vor einem Jahr, also Ende 2017, in der Ausstellung Greatest Hits. Das Beste der 60er, 70er, 80er und von heute präsentiert. Darin zeigte das Kunstpalais seine Sammlung, wie sie noch nie zu sehen war: Nicht chronologisch oder nach Stilen geordnet, sondern arrangiert wie Lieblingssongs auf einem Mixtape. Mit guten Bildern ist das nämlich wie mit guten Songs – einmal im Kopf, begleiten sie uns ein Leben lang. Weil die Sammlung ja nach wie vor sinnvoll und kontinuierlich ausgebaut werden soll, haben wir bereits im Hinblick auf mögliche Ankäufe einige wenige Leihgaben für die Ausstellung hinzugenommen, und sie auf goldene Wände gehängt – alles Werke, von denen wir finden, dass auch sie perfekt zu unserem Greatest Hits-Mixtape der Sammlung passen. Und weil unser Ankaufsbudget zu dem Zeitpunkt gerade sehr gering war, starteten wir eine Spendenaktion, um eines dieser Werke erwerben zu können. Jede Spenderin, jeder Spender bekam von uns als Dank einen golden bedruckten Kunstpalais-Regenschirm. Wenn Ihr also jemanden mit einem solchen „Schirmherr*innen“ -Schirm durch die Stadt gehen seht, könnt Ihr ihn ruhig zum Beitrag an der wichtigen Erweiterung der Sammlung beglückwünschen!

Also, was haben wir von den Spenden und eigenen Einsätzen denn nun gekauft? Eine Arbeit von Alicja Kwade! Als eine der jüngsten Künstler*innen der Kunst-Biennale 2017 in Venedig war Kwade dort in der Hauptausstellung gleich mit mehreren Arbeiten vertreten, genauso wie später im selben Jahr bei uns. Für den Ankauf fiel unsere Wahl auf das Werk Captain’s Mistress 1 €, ein Auflagenobjekt, das die golden schimmernden Stanzrückstände von Zehncentstücken zeigt, den ‚Restbetrag‘ von insgesamt einem Euro beinhaltend. „Captains Mistress“ ist einer der Namen für das Zweierspiel „Vier gewinnt“ und geht angeblich auf den Seefahrer James Cook zurück. Der geheimnisvoll klingende Begriff „Nordisches Gold“ bezeichnet die Legierung, aus der Euromünzen sind, die ursprünglich aber für das schwedische 10-Kronen-Stück entwickelt wurde. Aufgrund der inhaltlichen Einbettung der Arbeit in das Oeuvre von Kwade bildet dieses Werk die perfekte Ergänzung zu unserer Greatest Hits Auswahl und hoffentlich zu vielen weiteren Sammlungs-Ausstellungen im Kunstpalais.

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Alicja Kwade, “Captain‘s Mistress 1€”, 2016, Messing (Nordisches Gold), 38 x 29 cm, gerahmt, 7 Unikate + 2AP

 

Die gute Stimmung von Greatest Hits motivierte nicht nur Besucher*innen, sondern auch einen Künstler zum Spenden. Seit der Ausstellung Save the Data besitzt die Städtische Sammlung Erlangen bereits eine Arbeit von  Joep van Liefland, doch anlässlich Greatest Hits schenkte er sogar noch ein weiteres Werk. Ein echtes Lieblingswerk! Den Künstler Joep van Liefland könnte man salopp als Videophilosophen bezeichnen. Seine Streifzüge durch das VHS-Universum, die er seit Jahrzehnten betreibt, führen zu verschiedenen Medien, Materialien und auf Zeitreisen durch die Vergangenheit oder in die Zukunft. Die großformatige Collage, die dank seiner so großzügigen Schenkung nun in Erlangen bleibt, stellt Kunstgeschichte und Sciencefiction auf geheimnisvolle Weise nebeneinander, als wären die einzelnen Bilder  Teile einer kryptischen Verschwörungstheorie.

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Joep van Liefland, Untitled (Afrika Export), 2016, Mixed Media Collage auf Holzfaserplatte, 126 x 86 x 7,5 cm

 

Ein weiterer Neuzugang zu unserer Sammlung war ebenfalls bereits in unseren Räumen ausgestellt: die She Shah (2016) von Raphaela Vogel. Im Sommer diesen Jahres kehrte die gebürtige Fränkin mit einer Kunstpalais-Ausstellung in ihre Heimat zurück, und wir sind froh, dass wir die Möglichkeit hatten, uns gleich ein Objekt dieser Senkrechtstarterin des Kunstbetriebs zu sichern. Das mit einer Drohnen gefilmte Video zeigt die Künstlerin vor einer kapellenartigen Ruine an eine überlebensgroße männliche Skulptur gelehnt, die an die Zauberer aus ‚Herr der Ringe‘ erinnert. Projiziert wird das Video von einem Minibeamer, der scheinbar von einer Meerjungfrauen-Skulptur auf dem Kopf gehalten wird. Um dieses Zentrum der Wasserpfeife schlängeln sich die Rauchschläuche in alle vier Himmelsrichtungen als wollen sie der Situation entkommen. Die Arbeit ist wie ein konzentriertes Kondensat von allem, was wir an Raphaelas Arbeiten so lieben: ein kulturelles Artefakt kombiniert mit Hightech, weiße, zerfloßene, leicht eklige Masse, die beides zusammenhält, bunte, trashige Lichter im Sockel, ein zerrissenes Stück Tyvek, das geheimnisvoll hin und her weht und ein Video, in dessen Zentrum die Künstlerin als Protagonistin steht – als Drohnendomteurin, als kühne Träumerin, als Reisende in ihre eigene magische Welt.

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Raphaela Vogel, „She Shah“ (vorne links im Bild), 2016, Wasserpfeife, Tyvek, Polyurethan Elastomer, Draht, Minibeamer; Video, Ton, 2:18 Min., im Loop; 177 x 98 x 73 cm
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Raphaela Vogel, „She Shah“, 2016, Wasserpfeife, Tyvek, Polyurethan Elastomer, Draht, Minibeamer; Video, Ton, 2:18 Min., im Loop; 177 x 98 x 73 cm; Installationsansicht Westfälischer Kunstverein, courtesy the artist und BQ, Berlin. Foto: Thorsten Arendt, Münster.

 

Das Werk von Raphaela Vogel ist schon dieses Jahr in unserem Depot, bezahlt wird es jedoch vom Ankaufsbudget des nächsten Jahres. Das können wir uns leisten, denn dieses Budget wurde vom Stadtrat einmalig versechsfacht – zu unserer riesigen Freude! Wir haben schon einige Künstler*innen im Kopf, um deren Werke wir die Sammlung gern bereichern würden… Ihr dürft jetzt schon gespannt sein, was wir Euch nächstes Jahr an dieser Stelle Tolles präsentieren! Wer sich auch als Kunstpalais-Schirmherrin hervortun will – die edlen Teile gibt es noch bei uns, und für jede Spende ab 50 Euro sind sie euer! Auch als Weihnachtsgeschenk sehr empfehlenswert, im Übrigen…

Und – trotz des einmalig so angenehm hohen Budgets: wir hoffen auch weiterhin auf weitere Spenden und Schenkungen durch Künstler*innen, die sich bei uns im Haus wohlgefühlt haben. Das Jahr 2018 hat ja noch 30 Tage –  wer weiß, was noch alles passiert! 😉 Falls sich in unserem Depot also noch etwas tut, werden wir auf jeden Fall berichten.

Mit der nächsten Kerze stellen wir euch die ersten beiden Ausstellungen des Jahres 2019 vor. Das Kunstpalais-Team freut sich schon und wünscht euch erstmal eine wundervolle Adventszeit!

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