Preview 2019 #1: Alona Rodeh und Andreas Schmitten

Das zweite Licht, das wir diesen Advent für euch anzünden, ist die erste Previewkerze für 2019 und besteht aus gleich zwei hell leuchtenden Flammen. Denn auch das nächste Ausstellungsjahr beginnen wir mit einer Doppelshow, für die wir je einem Künstler beziehungsweise einer Künstlerin eine Etage unseres Hauses zur Verfügung stellen. Hier stellen wir euch beide schon einmal vor:

Die Kerzenflamme, die die Einzelausstellung im Untergeschoss repräsentiert, müsste dabei korrekterweise eher eine extra starke LED sein. Und zwar eine, die so programmiert ist, dass sie genau im Takt der Soundwellen aufleuchtet, die sich in den abgedunkelten Gewölben des Kunstpalais ausbreiten. Denn die Installationen von Alona Rodeh (*1979 in Nahariya, Israel) sind nicht selten durchkomponierte Gesamtkunstwerke, in denen die Grenzen zwischen Video, Skulptur, Foto und Lichtkunst fließend werden. Neben LEDs, wie sie in Fahrzeugen oder architektonischen Elementen verbaut werden, kommen oft reflektierende Materialien in ihren Werken zum Einsatz. Farblich sind feuriges Rot und warnendes Neongelb wiederkehrende Töne ihrer Palette. Und das aus gutem Grund.

The Curves of Jaffa
Alona Rodeh, The Curves of Jaffa, 2017, Straßenmarkierungsfarbe auf Asphalt, ca. 56 x 28 Meter

In den letzten Jahren hat Rodeh ein besonderes künstlerisches Interesse an den Ästhetiken entwickelt, die mit den Bereichen Sicherheit und Sichtbarkeit zu tun haben: Leuchtende Kennzeichnungen von Notausgängen etwa, die es beispielsweise in einem brennenden Nachtclub jemandem ermöglichen sollen, der eben noch im Stroboskoplicht getanzt hat, den kürzesten Weg in Sicherheit zu finden. Die Feuerwehr, die mit feuerfesten, reflektierenden Overalls Brände bekämpfen muss, spielt in mehreren Arbeiten der Künstlerin sogar eine Hauptrolle. Im israelischen Jaffa und in Berlin, wo Alona Rodeh mittlerweile lebt, fing sie in collageartigen Bildern Eindrücke aus lokalen Feuerwachen auf und verarbeitete diese zu atmosphärisch aufgeladenen Videos. Für To the Moon and Back (2017) erlebte sie über neun Monate hinweg Tag und Nacht den Arbeitsalltag der Berliner Feuerwehrleute etwa in Friedrichshain und Kreuzberg hautnah mit. Hier eine kleine Kostprobe:

Ihre Ausstellung im Kunstpalais trägt den Titel Architecture of the Nights und dreht sich verstärkt um das Thema Licht – sowie dessen Abwesenheit. Unsere hauseigene Beleuchtung werden wir dabei kaum benötigen, denn Rodehs Werke sorgen selbst für die nötige Strahlkraft, ganz ähnlich den Gebäuden einer Stadt, deren Silhouette bei Nacht aus sich selbst heraus zu leuchten beginnt. Natürlich wird darunter viel Neues sein, das wir in Erlangen zum ersten Mal der Öffentlichkeit zeigen dürfen. Freut euch aber auch auf bereits existierende Arbeiten, die so mit der Architektur des Kunstpalais verschmelzen werden, als seien sie hier immer zu Hause gewesen. Zu guter Letzt wird zur Ausstellung ein umfangreicher Katalog erscheinen, in dem Alona Rodeh die Tradition ihrer bisherigen Publikationen fortschreibt: Verschiedene Autor*innen aus den Bereichen Wissenschaft und Kunst nehmen sich der Themenwelt der Künstlerin an und erweitern sie um ihre Beiträge aus dem Forschungskontext.

Ihr dürft also gespannt sein und gleichzeitig dem Spiel mit Feuer und Licht ganz gelassen entgegensehen. Die Sicherheitsgarantie für eine entdeckungsreiche Ausstellung ist hiermit erteilt.

sdr
LED fine tuning im Studio Rodeh in Berlin, Foto: Kunstpalais

Im gleichen Zeitraum wird man im Erdgeschoss des Kunstpalais mit Rätselhaftem konfrontiert. Ein Bühnenbild ohne Schauspiel, eine Schaufensterdekoration aus der Vergangenheit ohne Ware, ein Designobjekt ohne Funktion – Andreas Schmittens Skulpturen sind so anziehend wie verstörend. Andreas Schmitten (*1980 in Mönchengladbach) ist international bekannt als visionärer „Raumverwandler“ und Meister der handwerklichen Perfektion. Für die Erlanger Einzelausstellung inszeniert er seine Werke eigens für die ausgewählten Räume des Kunstpalais und verändert durch die eigenartigen Materialien, perfekt lackierten Oberflächen und ungewöhnlichen Farbzusammenstellungen seiner Objekte den Ort.

Scham 1606
Andreas Schmitten, Scham 1606, 2017, Metall, Holz, Kunststoff, Stoff, Garn, 215 x 125 x 38 cm, Foto: Niels Schabrod

Neben seinen auf Hochglanz polierten Wandkästen und den seltsam funktional anmutenden Skulpturen wird im Kunstpalais ein Schwerpunkt auf Schmittens neuer Serie von Zeichnungen liegen. Nothing New heißen alle 64 Arbeiten der Serie, die zum Zeitpunkt unserer Eröffnung gerade abgeschlossen sein wird. Und, ganz anders als der Titel einem suggerieren möchte, zeigen sie sehr wohl Neues, sogar Nie-Dagewesenes. In der Manier von farbenfrohen Comics, gezeichnet mit unaufgeregtem Strich, tun gleichmütig dreinschauende Personen unerhörte Dinge: Ein Zahnarzt schlägt in seinem Behandlungsraum alles kurz und klein und streckt sich anschließend auf dem Boden zum Schlafen aus; eine Frau schneidet sich vor dem Spiegel die Kleider vom Leib und verbrennt dann die Fetzen im Waschbecken. Eine Gruppe von Reisenden ritzt in der U-Bahn mit Messern die Polster der Sitze auf, nur um sich danach in Ruhe darauf niederzulassen. Warum zum Teufel tun Schmittens Figuren das?

Vielleicht – nur vielleicht – erfahrt ihr das Mitte März im Kunstpalais.

Nothing New 2
Andreas Schmitten, Nothing New, 2018, Pigmentstift, Aquarell auf Aquarellpapier, 51,8 x 34 cm, Foto: Niels Schabrod
Nothing New 3
Andreas Schmitten, Nothing New, 2018, Pigmentstift, Aquarell auf Aquarellpapier, 51,8 x 34 cm, Foto: Niels Schabrod

Die Vorschaukerze für unsere Sommerausstellung 2019 wird nächste Woche übrigens von einem Künstlerduo angesteckt. Mehr wird aber erstmal nicht verraten…

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