Save the Data! – Der Film

Die Kisten sind gepackt, die Wände frisch gestrichen und wir verabschieden wehmütig unsere Ausstellung “Save the Data!”. Zum Glück haben Eva Kallweit und Martin Schmidt die Künstler, ihre Assistenten und das Kunstpalais-Team beim Ausstellungsaufbau mit der Kamera begleitet und einen großartigen Film produziert. Wir bedanken uns herzlich bei allen Beteiligten!

 

Die Lange Nacht der Wissenschaften im Kunstpalais

Die Lange Nacht der Wissenschaften steht wieder vor der Tür und das Kunstpalais ist mit einem spannenden Programm dabei! Thematisch dreht sich alles um Rundfunk und Unterhaltungselektronik, die genauestens unter die Lupe genommen werden: Wie sieht man eigentlich “richtig” fern? Wie entsteht da der Ton? Ihr erfahrt Spannendes über Rundfunk von damals und heute und wie Strom euch Bilder und Geräusche liefert. Dazu passt unsere momentane Ausstellung “Save the Data!“ perfekt, die sich mit Kunst und Datenträgern beschäftigt. Bei uns gibt es Schallplatten, die Videos abspielen, einen Kassettenrekorder der qualmt, eine Installation aus tausend Videokassetten und vieles mehr.

Was könnt ihr sonst noch so erleben?

Passend zum Thema „Save the Data!“ gibt es für euch Kinder ab 10 Jahren einen UpCycling Workshop um 14 Uhr, in dem ihr aus alten Tastaturen, Kabeln und Drähten neuen modischen Schmuck basteln könnt. So seid ihr dann für die restliche Nacht mit den passenden Accessoires ausgestattet!

Direkt im Anschluss um 15 Uhr könnt ihr an einer Familienführung teilnehmen. In Form einer Schnitzeljagd erhaltet ihr spannende Einblicke in die Kunst der Datenträger.

Kennt ihr noch die Polaroid Fotos, die sofort ausgedruckt werden und auf denen man nach kurzer Zeit sieht, wie aus einem schwarzen Bild ein Foto entsteht? Um 16 Uhr können Kinder (ab 5 Jahren) mit diesen selbstgeschossenen Bildern Collagen basteln.

Ihr habt nicht so viel Zeit und wollt auch noch ganz viele andere Orte der Langen Nacht der Wissenschaften besuchen? Unsere Speed-Führungen um 18 Uhr & 23 Uhr zeigen euch in 30 Minuten die Ausstellung “Save the data!”!

Oder seid ihr mehr die Social-Media Interessierten und habt auch immer euer Handy dabei? Dann nehmt an unserem Tweetup um 20 Uhr teil! Bei einer Führung in Echtzeit könnt ihr eure Ideen, Eindrücke und Meinungen zu den Kunstwerken mit der ganzen Twittergemeinde teilen und diskutieren.

Wir freuen uns auf euren Besuch!

Ausblick auf einen spektakulären Kunstherbst in Erlangen

Am Samstag, den 26. September ist es endlich so weit! Feiert mit uns und den Künstlern ab 19 Uhr die Eröffnung von „Save the Data!“ Bei Drinks an der Bar und Pizza vom Foodtruck wollen wir mit euch anstoßen! Ab 21 Uhr legen dann das DJ-Team Loose und die DJane Looshyaw auf und es darf getanzt werden! Außerdem mit dabei: unsere Livespeaker, die alle Fragen zur Kunst direkt vor den Werken in der Ausstellung beantworten.

Save-the-Data_Key-Visual_06f_twitter

Aber nicht nur für diesen Abend, sondern für die gesamte Dauer der Ausstellung bis zum 22. November haben wir uns viele spannende und kreative Veranstaltungen für euch ausgedacht: Neben Führungen und Workshop gibt es viele Events, die die Inhalte der Ausstellung noch einmal aus einer anderen ganz neuen Perspektive beleuchten.

Hier einige Highlight aus unserem Programm:

Kleine-Meister_Abbildung_01f.inddDie Kleinen Meister können in einem UpCycling-Workshop aus ausgedienten Tastaturen, Kabeln und Drähten wunderschöne und tragbare Schmuckstücke oder praktische Schlüsselanhänger basteln, beim Besuch im FabLab erleben, was für außergewöhnliche Dinge man mit 3D-Drucker und Lasercutter anfertigen kann, Collagen mit Polaroid-Fotos entwerfen und bei einer Taschenlampenführung die „dunkle“ Seite des Kunstpalais kennen lernen. Mehr Zeit für UpCycling ist außerdem am 29. Oktober: Da bieten wir zusammen mit der Jugendkunstschule den Workshop „bits and bites“ im Kunstpalais an.

Auch bei der Langen Nacht der Wissenschaften am 24. Oktober gibt es wieder zahlreiche Angebote für Groß und Klein, z.B. einen TweetUp für alle großen und eine Schnitzeljagd für alle kleinen Besucher.

HamptonHatzius01

Ant Hampton und Britt Hatzius feiern mit ihrem Autoteatro-Stück “This is not my voice speaking” Deutschlandpremiere in Erlangen

Im Rahmen des net:works15-Festivals gibt es eine Deutschlandpremiere zu feiern: Das interaktive Autoteatro-Stück „This is not my voice speaking“ von Ant Hampton und Britt Hatzius ist vom 17. bis 25. Oktober zu Gast im Palais Stutterheim. Und das Beste: Der Eintritt ist in Verbindung mit einem Ausstellungsticket kostenlos (nur anmelden muss man sich vorher unter info@kunstpalais.de oder 09131 – 86 2621)!

Spitz_Seite 196 (2)

Malte Spitz: Am 4. Oktober im Kunstpalais

Außerdem macht sich Malte Spitz auf eine Expedition zu den Datensammlern, MP3-Entwickler Dr. Bernhard Grill ist zu Gast im Kunstpalais und Guido Nockemann berichtet in einem „Vortrag mit Anfassen“ über die spannendsten Stücke aus seiner FAU-Informatiksammlung.

Am 17. Oktober kommt „Save the Data!“-Künstler Florian Meisenberg für ein ganz besonderes Event vorbei: Während der 3D-Drucker Objekte aus seiner Videoinstallation ausdruckt, spricht er über seine Arbeit. Die 3D-Druck-Edition gibt es anschließend exklusiv im Kunstpalais!

SAM_3135

Eine Bürgerführung im Kunstpalais

Bei den Bürgerführungen erzählen Erlanger und alle, die sich mit der Stadt und dem Kunstpalais verbunden fühlen, was sie an den Werken der „Save the Data!“-Ausstellung besonders interessiert und welche Speichermedien in ihrem Leben eine Rolle spielen. Dieses Mal mit dabei: Volker Holzmann, Sophia Baumann, Uwe Broeske, Tilman Rotberg und Matthias Porzelt.

Alle Infos und Termine findet ihr auf unserer Website www.kunstpalais.de oder gleich hier:

Save the Data_Programmübersicht

Wir freuen uns auf euren Besuch!

Erlangen begrüßt einen neuen Mitbewohner

Seit dieser Woche hat Erlangen einen weiteren Einwohner: Im Grünzug im Röthelheimpark hockt ein etwa vier Meter großer Hase im Gras. Das Tier aus blankpolierten Edelstahlplatten ist das Ergebnis eines Wettbewerbs zur Kunst im öffentlichen Raum, den die Kunstkommission der Stadt Erlangen 2013 ausgeschrieben hat. Gewonnen hat ihn die Berliner Künstlergruppe inges idee, die mit dem Hasen die Herzen der Erlanger erobern wollen.

Um das Langohr auch offiziell zu begrüßen, findet am Montag, 27. April 2015 ab 17 Uhr rund um die Skulptur ein „Kleines Hasenfest“ statt. Kulinarisch passend gibt es Möhrenmuffins und Multivitaminsaft, jeder kann ein Polaroid-Bild von sich und dem Hasen mit nach Hause nehmen oder einen Mümmelmann aus Papier falten. Alle AnwohnerInnen und interessierten BürgerInnen sind herzlich willkommen!

SAM_2902_klein

In Anlehnung an die ehemalige Nutzung des Röthelheimparks als US-Militärgelände, hat der Hase eine Art Tarnoptik erhalten: Durch den Edelstahl sieht er zu jeder Tages- und Jahreszeit anders aus. Er fügt sich so ideal in die Landschaft ein und ist dennoch nicht zu übersehen!

SAM_2914_kleinDie Künstler von inges idee haben in den vergangenen Jahren weltweit zahlreiche Projekte zur Kunst im öffentlichen Raum realisiert. Immer mit ein wenig Ironie und Humor haben sie z.B. einen übergroßen Schneemann im tropischen Klima eines Einkaufszentrums in Singapur aufgestellt. Zur Emscherkunst, einem großen Festival für Kunst im öffentlichen Raum im Ruhrgebiet, platzierten sie einen tanzenden Strommast in der Landschaft. Und nun sorgt also auch in Erlangen eine Skulptur von inges idee für Aufsehen und gute Laune!

…und Action!

SAM_2781Noch keine Idee was du in den Herbstferien machen sollst? Wie wäre es mit einem Videoworkshop im Kunstpalais? Begleitend zur aktuellen Ausstellung Reynold Reynolds: Six or Seven Pieces bietet das Kunstpalais am 28. und 29. Oktober, 10 – 15 Uhr, und am 30. Oktober, 10 – 13 Uhr, einen Videoworkshop für Jugendliche von 12 bis 16 Jahre an. In einem Ausstellungsrundgang erhaltet ihr zunächst einen Überblick über das Werk des amerikanischen Filmkünstlers Reynold Reynolds. Ihr erfahrt, wie aus einzelnen Aufnahmen ein zusammenhängender Film entsteht, der eine Geschichte erzählt. Außerdem lernt ihr verschiedene filmtechnische Gestaltungsmittel und Tricks kennen, mit denen Filmemacher arbeiten. Im anschließenden praktischen Teil entsteht unter professioneller Anleitung euer eigener Film: Drehbuch, Schauspieler Kameraführung, Kulissen und Requisiten bestimmt ihr selbst! Das Ergebnis gibt es selbstverständlich als DVD zum Mitnehmen nach Hause!

Anmeldungen sind ab sofort unter 09131 86-2621 oder sarah.lampe@stadt.erlangen.de möglich. Die Teilnahmegebühr beträgt 20 € zzgl. 5 € Materialkosten.

Reynold Reynolds: Six or Seven Pieces

Facebook

Mit der Ausstellung “Reynold Reynolds: Six or Seven Pieces” widmet das Kunstpalais dem amerikanischen Filmkünstler die erste Retrospektive in Deutschland. Sein Werk bewegt sich an der Grenze zwischen Kunst und Wissenschaft, Vergangenheit und Gegenwart, Realität und Fiktion. Er spielt mit den Erwartungen und Emotionen des Betrachters – und leitet sie auf ungeahnte Weise in die Irre. Unauflösbar überlagern sich die verschiedenen Welten und entführen den Besucher in die Abgründe seiner eigenen Phantasie.

Im Zentrum der Ausstellung steht das Filmprojekt „The Lost“: Eine vergessene Zeitkapsel, die von Reynold Reynolds wiederentdeckt wurde. Auf der Basis der Fragmente des deutschen Films “Die Verlorenen”, der 1933 in der Umbruchzeit von der Weimarer Republik zur Herrschaft der Nationalsozialisten entstanden ist, hat der Künstler von 2011 bis 2013 den Film restauriert, neu gedreht und fertig gestellt. Die Geschichte wird aus der Sicht des jungen englischen Schriftstellers Christopher Isherwood erzählt, der im Berliner Kabarett Troika auf eine Gruppe junger Künstler, Tänzer und Musiker trifft und seine Homosexualität erkennt. Im Keller des Kabaretts wird er Zeuge mystischer Experimente, die Tote zum Leben erwecken. Gezeigt wird das Werk als 7-Kanal-Installation, die zusammen mit den in der Ausstellung zu sehenden Fotografien und Archivmaterialien das Filmprojekt bildet. „The Lost“ ist der Versuch, einen verlorenen Teil der Filmgeschichte neu zu schreiben, bei dem der Betrachter aufgefordert ist, die verschiedenen Elemente in seinem Kopf zusammenzufügen.

Ausgehend von diesem Filmprojekt gibt die Ausstellung einen umfassenden Überblick über das vielfältige Schaffen von Reynold Reynolds, indem sie zentrale Werke des Künstlers zusammenführt. Für die Retrospektive ist eine neue Videoarbeit entstanden, die erstmalig im Kunstpalais zu sehen sein wird. Zur Ausstellung wird ein vom Künstler gestalteter Katalog erscheinen.

Mit freundlicher Unterstützung von

Logo KochInvest Logo rot+immobilienkompetenz

 

Kunstpalais klingt – Töne finden und erfinden bei der Mitmach-Soundinstallation “The Cabinet of Curiousness”

Janet Cardiffs und George Bures Millers Soundinstallation lädt nicht nur zum Zuhören sondern auch zum Mitmachen ein. Öffnet man die verschiedenen Schubladen, ertönen Geräusche, Filmausschnitte, Interviews oder Musik, die der Besucher frei kombinieren kann. So wird man selbst zum DJ, dem Protagonisten des Kunstwerks.

Schüler der Jakob-Herz-Schule vor The Cabinette of Curiousness von

Schüler der Jakob-Herz-Schule vor The Cabinet of Curiousness von Janet Cardiff und George Bures Miller

Auch mit einer Wasserflasche kann man spannende Geräusche erzeugen!

Auch mit einer Wasserflasche kann man spannende Geräusche erzeugen!

Die Schüler der Jakob-Herz-Schule haben die Soundinstallation gründlich erkundet und auf Herz und Nieren getestet. Im Rahmen des zweistündigen Workshops „Bau dir deine mobile Soundbox“ sind sie anschließend mit Aufnahmegeräten bewaffnet losgezogen und haben dem Museum seine Klänge entlockt. Vom Ausstellungsraum über den Museumsshop bis zum Aufzug galt es, Töne zu (er-)finden und aufzunehmen.

_1340942

Geeignet ist allerlei Material

Im Vermittlungsraum wartete schließlich eine ganze Fülle an Materialien auf erste Klangexperimente: Kronkorken, Luftpolsterfolie oder bunte Steine wurden zu Schlagzeug, Rassel und Windspiel. Die Lieblingsmaterialien und -mechanismen fanden in Pappboxen ihren Platz.

In Zusammenspiel mit den Geräuschcollagen entstand so eine große interaktive Soundinstallation, an der es viel zu entdecken gibt – von digitalen Tönen bis zu handgemachten Klängen!

_1340955

Mobile Soundboxen

Wer auch einmal in die selbstgemachte Klangkunst reinhören möchte, kann einfach einem dieser Links folgen:

http://vocaroo.com/i/s1Mkb0oZn5QK

http://vocaroo.com/i/s0kEI0XVSydI

http://vocaroo.com/i/s030s4r4F4gQ

Podiumsdiskussion “Sammler und Sammlungen hautnah”

Plakat Ausstellung RE: COLLECTAls Highlight des Begleitprogramms zur Ausstellung “RE: COLLECT” findet am Freitag, 29. August 2014, um 18 Uhr im Innenhof des Palais Stutterheim eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion mit dem Titel „Sammler und Sammlungen hautnah“ statt. Dr. Thomas Heyden, Leiter der Sammlung des Neuen Museums in Nürnberg, Helmut Kirsch, selbst Künstler sowie Kunstsammler, und Ina Neddermeyer, Kuratorin der Ausstellung RE: COLLECT, diskutieren über die Geschichte, Konzeption und Ausrichtung ihrer jeweiligen Sammlungen. Moderiert wird das Podium von Udo Andraschke, Kustos der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Im Dialog wichtiger Protagonisten der Kunst- und Kulturlandschaft soll deutlich werden, wie sehr die verschiedenen Perspektiven, individuellen Interessen und Rahmenbedingungen Einfluss auf die Entwicklung und Zukunft von Kunstsammlungen nehmen. Im Anschluss an die Expertenrunde bleibt genügend Zeit für Fragen aus dem Publikum.

Der Eintritt ist frei!

RE: COLLECT – Die erste Ausstellung der Städtischen Sammlung im Kunstpalais!

Vanessa Beecroft, Joseph Beuys, Janet Cardiff & George Bures Miller,  Camille Henrot und Andy Warhol – das sind nur sechs der zahlreichen, namenhaften Künstler, deren Werke noch bis zum 31. August in der Ausstellung RE: COLLECT im Kunstpalais zu sehen sind.

RE_Collect_Key Visual_1

RE: COLLECT bildet den Auftakt zu einer Reihe, bei der einmal jährlich Werke aus der Städtischen Sammlung Erlangen in spannenden, neuen Kontexten präsentiert werden. Seit den 1960er Jahren wächst die Sammlung stetig und umfasst derzeit weit über 4.500 bedeutende Kunstwerke – primär Grafiken, aber auch Fotografien und Skulpturen – die nun erstmals im Kunstpalais präsentiert werden. Im Zentrum der Ausstellung RE: COLLECT steht die Frage, welche Themen und Diskurse aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts  auf die Gegenwart übertragbar sind.

So vielfältig die Erlanger Sammlung selbst ist, so umfangreich ist auch das Repertoire der  aktuellen Ausstellung. Sie zeigt raumgreifende Installationen genauso wie kleinformatige Zeichnungen, Auflagenwerke ebenso wie Unikate. Neben zentralen Werken aus der Sammlung wird die Ausstellung durch internationale Leihgaben ergänzt. Gezeigt wird, wie zentralen Strömungen der Kunst der 1960er und 1970er Jahre, wie Performance- und Konzeptkunst, Land Art und Pop Art, in der zeitgenössischen Kunst ihren Nachhall finden.

Nasan Turs "Variationen von Kapital"

Nasan Tur “Variationen von Kapital”, Zeichentusche auf Tibetischem Papier, jeweils 40 x 60 cm / gerahmt: 42.2 x 62.2 cm, Installationsansicht Kunstpalais, Foto: Erich Malter, Courtesy Nasan Tur and Blain-Southern Gallery London/Berlin, © VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Kunstpalais Ausstellung Erlangen ReCollect  Repros 15. Juli 2014

Joseph Beuys “Kunst = Kapital”, Städtische Sammlung Erlangen, Offset-Druck, 84 x 59,5 cm, © VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Als Auftakt der Ausstellung ist Nasan Turs Arbeit Variationen von Kapital” zu sehen. Insgesamt 800 Mal schrieb der Künstler mit Tinte das Wort Kapital in immer unterschiedlichen, computer-generierten Schreibweisen auf handgeschöpftes Papier. Eine Auswahl der Wortvarianten ist im Eingangsbereich zu sehen. In Anspielung auf Karl Marx‘ gesellschaftskritische Schrift „Das Kapital“ führt Tur damit den Begriff auf seine ursprüngliche ökonomische Bedeutung zurück: ein Kontext, der besonders für Kunstsammlungen, die als Wertanlage gelten, relevant ist.

Die Frage nach den individuellen Voraussetzungen von Kapital greift Joseph Beuys mit seiner Arbeit “Kunst = Kapital auf. Ebenfalls mit Bezug zu Marx entwickelt Beuys eine Neudefinition des Kapitalbegriffs, der auf dem lateinischen Ursprung des Wortes caput (Kopf) beruht. Die Kreativität und schöpferische Energie des Einzelnen galten dem Künstler als das eigentliche Kapital und Potenzial einer Gesellschaft.

Kunstpalais Ausstellung Erlangen ReCollect  Repros 15. Juli 2014

Joseph Beuys “La rivoluzione siamo Noi”, Lichtdruck, 191 x 100 cm, Städtische Sammlung Erlangen, © VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Neben dem Begriff des Kapitals ist für den politischen Künstler Joseph Beuys die Frage nach der Revolution, nach dem Umsturz bestehender gesellschaftlicher Verhältnisse, zentral. Auf dem Lichtdruck „La rivoluzione siamo Noi” präsentiert sich der Künstler überlebensgroß dem Betrachter. Sein energischer, nach vorne schreitender Gang ist als Aufforderung zum direkten Handeln zu verstehen. Diese Aufbruchsstimmung greift auch Nasan Tur in seiner Fotografie „Time for Revollusion” auf. Der bekannte Slogan „Time for Revolution”, ein Inbegriff für Veränderung, eröffnet jedoch durch den Schreibfehler eine neue Lesart, die politische Parolen persifliert: Ist Revolution heute nur noch eine Illusion?

Nasan Tur: "Time for Revollusion"

Nasan Tur: “Time for Revollusion”, C-Print, 150 x 200 cm, Holzrahmen, Plexiglas, Courtesy Nasan Tur und Blain-Southern Gallery London/Berlin, © VG Bild-Kunst, Bonn 2014

Ein besonderes Highlight der Ausstellung: Im Untergeschoss des Kunstpalais gibt es die Möglichkeit selbst aktiv zu werden! Von Jack Goldstein “A Suite of Nine 7-inch Records” sind neun künstlerisch gestaltete Schallplatten zu sehen und zu hören. Denn jede von ihnen hat ihren ganz eigenen Sound, den man per Knopfdruck  abrufen kann. Auch der KarteikastenschrankThe Cabinet of Curiousness von Janet Cardiff & George Bures Miller lädt den Betrachter ein, selbst schöpferisch tätig zu werden. Wie ein DJ kann jeder Besucher einzelne oder mehrere Schubladen des Schrankes aufziehen und so eine eigene Sinfonie aus Musik, Geräuschen und Stimmen erschaffen.

Klang-Kunst zum selber-machen: „The Cabinet of Curiousness“ von Janet Cardiff und George Bures Miller mit "24 Gesängen" von Hanne Darboven im Hintergrund.

Klang-Kunst zum Selbermachen: „The Cabinet of Curiousness“ von Janet Cardiff & George Bures Miller

Jetzt liegt es an euch, selbst kreativ zu werden und die Schubladen von „The Cabinet of Curiousness“ zu öffnen! Schnell sein lohnt sich, denn die Ausstellung ist nur noch bis zum 31. August zu sehen!

Zum Abschied ein Appell

Bild2

Damals

KunstpalaisRe-Collect_Installationsansicht_260614-0059

Heute

Liebe Freundinnen und Freunde des Kunstpalais,

nach fünfeinhalb Jahren intensiver Arbeit für das Kunstpalais verabschiede ich mich von Ihnen – und danke Ihnen von Herzen für Ihr Interesse und Ihre Neugier, Ihre Unterstützung und Ihre Treue.

In diesen fünfeinhalb Jahren ist viel geschehen. Aus der Städtischen Galerie wurde das Kunstpalais – aus dem Kunstpalais eine international geschätzte Marke und ein viel beachteter Ort für den Diskurs über zeitgenössische Kunst.

Wir haben weltweit renommierte Künstler nach Erlangen geholt: Ai Weiwei, Christian Jankowski, Mona Hatoum, Jenny Holzer, Tobias Rehberger, Bill Viola, Erwin Wurm, um nur sehr wenige zu nennen. Hierbei wurden wir von den größten und bedeutendsten Galerien der Welt in New York, London, Köln und Berlin unterstützt. Denn wir haben mit unseren Ausstellungen gesellschaftlich relevante Themen diskutiert, es ging beispielsweise um Glück, Ironie, Töten, Freiheit und Affekte. Das hat Künstler und Galeristen, Sammler und Leihgeber sowie die Berater der größten Stiftungen unseres Landes überzeugt.

Wir haben aber auch aufstrebenden jungen Künstlern die erste Einzelausstellung in Deutschland ermöglicht, zum Beispiel der Französin Mathilde Rosier, der Dänin Kirstine Roepstorff und dem Münchener Künstler Benedikt Hipp.

Wir haben die Themen der Kunst in einen interdisziplinären Diskurs gestellt, unterstützt und bereichert vor allem durch die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Dafür bin ich den zahlreichen Fachbereichen und Instituten sehr dankbar. Wir haben im Begleitprogramm zu unseren Ausstellungen auch regelmäßig und intensiv mit verschiedenen Bildungs- und Kultureinrichtungen der Stadt kooperiert. Mein Dank gilt in diesem Zusammenhang der Jugendkunstschule, dem Stadtarchiv Erlangen, dem Theater Erlangen, dem Arena Festival, dem Erlanger Poetenfest, der Studiobühne, der Stadtbibliothek, der vhs, dem dfi Deutsch-Französisches Institut Erlangen, dem gVe Gemeinnütziger Verein Erlangen, dem E-Werk Kino, dem Manhattan Kino, den Lamm Lichtspielen, der Einrichtung BildungEvangelisch und dem Uniradio Unimax.

Ich danke den vielen Schulen und Horten, die im Kunstpalais einen Partner für ihre Bildungsarbeit gesehen haben: der Jakob-Herz-Schule, Staatliche Schule für Kranke, der Realschule am Europakanal, dem Ohm-Gymnasium – und vielen anderen mehr. Wir haben spezielle Veranstaltungen in einfacher Sprache für Menschen mit Migrationshintergrund angeboten, in Kooperation mit WI.L.D. (Wir lernen Deutsch) oder mit dem vhs Club International. Ich selbst habe mit Begeisterung Gesprächsführungen mit Demenzkranken und ihren Familien sowie mit ehemals drogenabhängigen oder depressiven Jugendlichen durchgeführt. Diese Veranstaltungen waren für mich persönlich immer eine besondere Bereicherung.

Ich danke meinem hervorragenden Team, ohne dessen inspirierende und kreative Mitarbeit dies alles gar nicht möglich gewesen wäre: Ian Genocchi, Ina Neddermeyer, Jessica Ullrich, Ilse Wittmann, Sarah Lampe. Ich danke unseren FSJlern Patrick Wüst und Stefanie Krebs, den zahlreichen Praktikanten, unseren Aufsichten und den engagierten Kunstvermittlern, die uns in den letzten Jahren unterstützt haben.

Und ich danke meinem Chef, dem Leiter des Kultur- und Freizeitamts, Dr. Herbert Kurz, der das Kunstpalais auf diesem Weg stets mit Engagement und viel Herzblut unterstützt hat und ohne den es die professionelle Personalstruktur des Kunstpalais mit Kunstvermittlung, Sammlungskurator, Volontariat und FSJ (Freiwilliges Soziales Jahr) Kultur nicht geben würde.

Vier aufwändige Ausstellungen im Jahr zu realisieren, begleitet von einem umfangreichen Diskurs- und Bildungsprogramm, kostet Geld, deutlich mehr Geld, als uns die Stadtverwaltung zur Verfügung gestellt hat. Daher waren wir auf Einnahmen und finanzielle Unterstützung angewiesen. Wir haben einen Museumsshop eingerichtet und selbst unterhalten, so dass alle Einnahmen in unser Programm fließen konnten. Über Eintritte und Verkäufe haben wir unser Budget jährlich um 20.000 Euro steigern können. Doch das hat natürlich nicht gereicht. Daher danke ich allen voran der Kulturstiftung des Bundes und dem Kulturfonds Bayern, die uns in den vergangenen Jahren immer wieder mit maßgeblichen Beträgen unterstützt und so das hohe Niveau unseres Ausstellungsprogramms gesichert haben. Außerdem danke ich der Sparkasse Erlangen, der Areva Stiftung, der Kulturstiftung Erlangen und der Museobilbox für ihre wiederholten Unterstützungen. Last but not least danke ich dem Münchener Unternehmen WTS dafür, dass es das Kunstpalais bereits in diesem Jahr gesponsert hat – und unserem Haus auch in Zukunft als finanzieller Partner erhalten bleibt.

Von der Zukunft des Kunstpalais haben Teile der Kommunalverwaltung der Stadt Erlangen künftig andere Vorstellungen. „Auch Kultur ist Verwaltung“, heißt es dort, doch hören Sie selbst:

http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/kulturwelt/zur-zukunft-des-kunstpalais-in-erlangen-100.html

„Kultur ist der Spielraum der Freiheit“, möchte ich mit Dietrich Bonhoeffer antworten. Kultur ist ein Möglichkeitsraum, den wir frei halten müssen – vor allem frei von den Gesetzmäßigkeiten der Verwaltung.

Daher möchte ich mich mit einem Appell an Sie, liebe Erlangerinnen und Erlanger, verabschieden: Haben Sie ein wachsames Auge auf die Zukunft des Kunstpalais und lassen Sie sich bitte nicht nehmen, was hier in einem fünfjährigen Kraftakt für Sie entstanden ist:

ein Möglichkeitsraum für die Wahrnehmung international bedeutsamer Positionen der Kunst, ein Möglichkeitsraum für den bereichernden Diskurs über unsere Gesellschaft, ein Möglichkeitsraum für die Disziplinen und Landesgrenzen überschreitende Perspektive auf unsere Zeit – ein Möglichkeitsraum, der nicht nur bundesweit bekannt ist unter dem so eingängigen und zu Erlangen passenden Namen:

KP_Logo-Grau

Herzliche Grüße

Ihre Claudia Emmert

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 47 Followern an

%d Bloggern gefällt das: