Zündstoffe #2: Colour Field Painting

KunstpalaisRadicalBeauty040214-0675
Almut Linde: Dirty Minimal #85.2 – Color Field Painting / 8 Liters of pig blood, Leinwand, Schweineblut, 2 tlg. , 190 x 900 cm, 2013
Ausstellungsansicht Kunstpalais Erlangen, Fotograf: Erich Malter

Auf unserem Blog zu Gast: Studentinnen des Instituts für Kunstgeschichte von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg schreiben über die Ausstellung „Almut Linde: Radical Beauty“.

Die beiden Leinwände sind eindrucksvoll. Die Farbe ist einheitlich, von einem rostigen Braun. Sie ist über die ganze Fläche, jedoch nicht gleichmäßig verteilt. Die gemaserte Struktur entstand scheinbar zufällig beim Auftrag, möglicherweise auch durch die besondere Konsistenz der Farbe. Die Oberfläche wirkt samtig.

Der erste Teil des Titels lautet Color Field Painting, auf Deutsch Farbfeldmalerei. Er bezieht sich auf eine Art der Malerei, die sich in den 1950er-Jahren in den USA herausgebildet hat. Die charakteristischen großen Formate, die homogene Farbigkeit und die Verwendung von ungewöhnlichen Farbauftrags-Techniken wie Schütten oder Sprühen, treffen auch auf Almut Lindes Werk zu. Im Kontext des Color Field Painting wird oft der Begriff des Erhabenen, im englischen sublime, verwendet. Damit wird etwas bezeichnet, das nicht nur schön, sondern unermesslich oder erschreckend, fast schon heilig wirkt, so wie Barnett Newmans Vir Heroicus Sublimis (1950/51).

Der zweite Teil des Titels 8 liters of pig blood lässt uns zurückweichen, erkennen wir doch in diesem Moment, dass die Künstlerin tatsächlich Schweineblut verwendet hat. Dies weckt Ekel in uns, aber auch eine gewisse Faszination. Millionen Tonnen Blut fallen jedes Jahr als Schlachtnebenprodukt an und müssten kostenintensiv entsorgt werden, weshalb so viel wie möglich davon weiterverarbeitet wird: als Bindemittel in der Fleischverarbeitung oder als Farbstoff in der Lebensmittelproduktion, für Tiernahrung oder als Klebstoff bei der Papierherstellung. Tierblut ist heute eines der größten Probleme der Nahrungsmittelindustrie.

Autorin: Corinna Klußmann studiert seit 2012 im Masterstudiengang Kunstgeschichte mit Schwerpunkt Bild- und Medienwissenschaften an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Zuvor absolvierte sie ebenfalls dort ihren Bachelor in den Fächern Theater- und Medienwissenschaft und Kunstgeschichte.

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